Hermann Heinrich Wübbenhorst – Biographie

Hermann Heinrich Wübbenhorst wird am 20. März 1841 als viertes Kind von Tönjes Hinrich Wübbenhorst und Ahlke Margarete Wübbenhorst auf dem elterlichen Hof in Hurrel (heute: Birgit Ganteföhr) geboren. Er ist der jüngere Bruder von Catharina Wübbenhorst, Diedrich Wübbenhorst und Anna Sophia Margareta Wübbenhorst. Daneben hat er mit Anna Sophia Catharina Wübbenhorst und Johann Hinrich Wübbenhorst noch zwei ältere Halbgeschwister aus der ersten Ehe seines Vaters mit Anna Catharine Würdemann.

Neun Tage vor Hermann Heinrichs Geburt läuft der 1840 in Dienst gestellte britische RaddampferPresident“ in New York zu seiner sechsten Atlantik-Überquerung aus. Die Fahrt steht von Beginn an unter keinem guten Stern: Bei den fünf vorangegangenen Überquerungen hat sich die „President“ – mit 2.366 Bruttoregistertonnen das größte und überdies luxuriöseste Passagierschiff seiner Zeit – einen denkbar schlechten Ruf erworben. Für einen Dampfer ihrer Größe ist die Maschinenleistung eindeutig zu klein, so dass sie für die Fahrt von Liverpool nach New York und zurück jeweils einige Tage länger benötigt als vergleichbare Schiffe der Konkurrenz.

Hinzu kommt die ungünstige Verteilung des Gewichts. Bei schwerem Seegang wird die „President“ rasch instabil, was ihr bei der vierten Passage im November 1840 beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Ein daraufhin vorgenommener Umbau durch die Reederei British and American Steam Navigation kann die grundsätzlichen Probleme nicht beseitigen. Auch deshalb läuft der Ticketverkauf mehr als schleppend. An jenem winterlich kalten Märztag gehen neben der mehr als 100-köpfigen Besatzung gerade einmal 30 Passagiere an Bord, darunter der irische Theaterschauspieler Tyrone Power und der methodistische Geistliche George Grimston Cookman.

Nur wenige Stunden nach Verlassen des Hafens gerät die „President“ in ein schweres Unwetter. Sie wird danach noch einmal gesehen, von der Besatzung des britischen Paketschiffs „Orpheus“. Beide Schiffe begegnen sich etwa auf halbem Weg zwischen den Nantucket Shoals und der Georges Bank – genau dort, wo der Golfstrom auf tiefe Gewässer trifft und wo die bei Sturm fast senkrecht aufsteigenden Wellen so hoch sein können wie ein vier- oder fünfstöckiges Haus. Der späteren Aussage des „Orpheus“-Kapitäns zufolge hält sich die „President“ zwar über Wasser, hat der tobenden Naturgewalt aber nur wenig entgegenzusetzen.

Sinkt der in Seenot geratene Dampfer unmittelbar nach dieser Begegnung? Eine Frage, auf die es bis heute keine Antwort gibt. In Liverpool jedenfalls legt er im erwarteten Zeitkorridor (26. bis 28. März 1841) nicht an. Was angesichts früherer Verspätungen noch niemanden beunruhigt. Mit jedem weiteren Tag wird jedoch klar, dass der im Juni 1841 offiziell für verschollen erklärten „President“ etwas zugestoßen sein muss. Wrackteile werden indes ebenso wenig gefunden wie Leichen oder sonstige Hinweise auf das Schicksal von Besatzung und Passagieren.

Schiffsuntergänge sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts keine Seltenheit. Als besonders verlustreich erweist sich dabei das Jahr 1854: Allein bei den sechs schwersten Unglücken kommen mehr als 1.500 Menschen zu Tode. Eines davon ereignet sich am 6. November quasi vor Hermann Heinrichs Haustür, als das in Elsfleth gebaute Schiff „Johanne“ mit 216 deutschen Auswanderern an Bord vor der Insel Spiekeroog strandet. „Diese Katastrophe, von deren Furchtbarkeit man eine Vorstellung durch die Tatsache gewinnt, dass überall neben den vollständigen Leichen auch Fragmente derselben gefunden werden, hat an 80 Personen das Leben gekostet“, meldet drei Tage später die in Bremen erscheinende „Weser-Zeitung“. Ein Gesprächsthema sicher auch in Hurrel und in anderen Bauerschaften des Großherzogtums Oldenburg – denken dort doch inzwischen diverse Bewohner darüber nach, die angestammte Heimat zu verlassen und in der Neuen Welt eine bessere Zukunft zu suchen.

Für die Familie von Hermann Heinrich, der im November 1854 kurz vor Konfirmation und Schulabschluss steht, gilt das sehr wahrscheinlich nicht. Schließlich gehört ihr 1521 erstmals erwähnter Hof zu den ältesten und mit einer Fläche von rund 25 Hektar auch zu den größten des Dorfes. Und Hermann Heinrich ist gemäß dem in der Gemeinde Hude geltenden Jüngstenrecht der Grunderbe. Offiziell tritt er dieses Erbe 1866 an, ein Jahr nach dem Tod von Mutter Ahlke Margarete. Vater Tönjes Hinrich ist bereits 1843 verstorben. Von den drei Schwestern lebt ebenfalls keine mehr.

Das Jahr 1866 wird geprägt vom Preußisch-Österreichischen Krieg, an dem mit Johann Hinrich Stolle mindestens ein Hurreler teilnimmt. Obwohl kurz vor Kriegsausbruch 25 Jahre alt geworden, macht Hermann Heinrich nach seinem Aufstieg zum Eigentümer offenbar keine Anstalten zu heiraten. Ist er zu diesem Zeitpunkt bereits an Tuberkulose erkrankt, die mutmaßlich schon seine laut Kirchenbuch-Eintrag an der „Brustkrankheit“ verstorbene Mutter aus dem Leben gerissen hat? Völlig ausgeschlossen ist das nicht, denn von den ersten, fast noch unmerklichen Symptomen bis zum Tod vergehen mitunter viele Jahre.

Hermann Heinrich stirbt am 15. April 1874, und an der Todesursache Tuberkulose (wie zu jener Zeit üblich als „Schwindsucht“ im Kirchenbuch vermerkt) gibt es keinen Zweifel. Beerdigt ist er sechs Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.