Herbert Meyer genannt Schumacher – Biographie

Herbert Heinrich Georg Meyer genannt Schumacher wird am 30. August 1894 als viertes Kind von Hinrich Heinrich Adolf Meyer genannt Schumacher und Christine Katharine Friederike Meyer genannt Schumacher in Hurrel geboren. Er ist der jüngere Bruder von Rudolf Meyer genannt Schumacher, Johann Meyer genannt Schumacher und Heinrich Meyer genannt Schumacher und der ältere Bruder von Friedrich Meyer genannt Schumacher und Hermann Meyer genannt Schumacher. Zudem gibt es noch eine unmittelbar nach ihrer Geburt am 7. Februar 1899 verstorbene Schwester, die deshalb namenlos geblieben ist.

Den ganzen Sommer 1894 hindurch lähmt ein Streik die Produktion der im Vorort Osternburg angesiedelten Oldenburger Glashütte. Die rund 700 Beschäftigten, von denen viele im 1889 begründeten „Fachverein der Glasarbeiter und verwandten Berufsgenossen zu Oldenburg“ organisiert sind, wehren sich gegen aus ihrer Sicht unzumutbare Arbeitsbedingungen. Dabei kommt es am späten Abend des 10. August zu einem folgenschweren Zwischenfall: Auf dem Langenweg (heute: Stedinger Straße) beschimpfen mehrere Kollegen den Arbeiter Carl Ohlendorf als Streikbrecher und gehen mit einem Messer auf ihn los. Sie verletzen Ohlendorf so schwer, dass er wenige Tage später im Evangelischen Krankenhaus stirbt. Erst im September 1894 bricht einer der größten Streiks, die Oldenburg je erlebt hat, in sich zusammen: Die Werksleitung hat neue Arbeitskräfte aus Süd- und Westdeutschland angeworben.

Im 15 Kilometer weiter östlich gelegenen Hurrel bleiben der Streik, seine Begleitumstände und die Gründe des Scheiterns mit Sicherheit nicht unbemerkt. Gleichwohl, als größeres Gesprächsthema während der Feldarbeit, am Abendbrottisch oder im Kramladen von Gastwirt Carl Busch taugt dieses Thema vermutlich kaum – zu breit ist in jenen Jahren noch die gedankliche Kluft zwischen der häufig aus anderen Regionen zugewanderten Arbeiterschaft in Industrie-Standorten wie Osternburg oder Delmenhorst und der meist seit Generationen an die eigene Scholle gebundenen Landbevölkerung in den umliegenden Dörfern.

Obwohl sie in Hurrel über keinen eigenen Grundbesitz verfügt, dürfte dies auch auf Herberts Familie zutreffen. Denn zumindest mütterlicherseits ist sie fest im Dorf verwurzelt: Johann Hinrich Janzen, der Vater von Christine Katharine Friederike Meyer genannt Schumacher, bewirtschaftet einen 1816 begründeten Hof im Hurrelersand (heute: Wilma Wiemer). Herberts Vater wiederum verdankt seinen damals wie heute ungewöhnlichen Namen nicht etwa der Ausübung eines bestimmten Berufes, sondern dem Umstand, dass der eigene Vater ein unehelicher Sohn der einst in Wildeshausen lebenden Witwe Friederike Schumacher geborene Meyer ist. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Landarbeiter oder Heuerling. Auf welchem Hof Herbert geboren wird und wo genau er die früheste Phase seiner Kindheit verbringt, lässt sich deshalb heute nicht mehr exakt bestimmen.

Ähnliches gilt für die weiteren Stationen seines Lebens. Der nächstjüngere Bruder Friedrich wird 1896 bereits in Hude geboren, die beiden jüngsten Geschwister kommen in Dingstede zur Welt. Dort verbringt Herbert sehr wahrscheinlich den größten Teil seiner Schulzeit – obwohl auch das nicht absolut sicher ist. Irgendwann nach der Jahrhundertwende zieht die Familie nämlich zurück nach Hurrel, wo Vater Hinrich Heinrich Adolf im September 1909 an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt. Je nachdem, wann der Umzug erfolgt, besucht Herbert also möglicherweise auch noch einige Jahre lang die 1897 neu erbaute Hurreler Volksschule (heute: Gunda Hagestedt).

Die Familie bleibt nach dem Tod des Vaters in Hurrel – bis am 28. Juni 1914 auch Mutter Christine Katharine Friederike einer Lungenentzündung erliegt. Als Herbert vier Tage später mit seinen Brüdern an ihrem Grab steht, kann noch keiner von ihnen ahnen, dass das ebenfalls am 28. Juni verübte Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie in Sarajevo nur wenige Wochen später den Ersten Weltkrieg auslösen wird. Von der am 1. August 1914 von Kaiser Wilhelm II. angeordneten Generalmobilmachung verschont bleiben zunächst nur die noch minderjährigen Brüder Friedrich und Hermann. Herbert rückt wie Rudolf, Johann und Heinrich an die Front ab.

Während Rudolf schon drei Wochen später in Belgien fällt, verschlägt es Herbert in die entgegengesetzte Richtung. Dort kämpft er in Ostpreußen gegen die russische Armee und findet dabei am 11. Februar 1915 den Tod. Über die genauen Umstände und den Ort seines Begräbnisses gibt das Kirchenbuch der Gemeinde Hude leider keine Auskunft.