Gesine Vosteen – Biographie

Gesine Johanne Vosteen wird am 15. November 1908 als erstes Kind von Jan Suhr und Gesine Suhr in Nutzhorn geboren. Sie ist die ältere Schwester von Hermann Suhr und Anna von Seggern.

Gesines Eltern bewirtschaften in der Nähe des ehemaligen Adelsgutes Nutzhorn einen Bauernhof, ihre Mutter ist eine abgehende Tochter aus der in direkter Nachbarschaft gelegenen, 1872 gegründeten Bäckerei Meyer Mönchhof. Von frühester Kindheit an dürfte Gesine deshalb nicht nur so manche Stunde im elterlichen Kuhstall, sondern auch in der Backstube ihrer Großeltern verbracht haben.

Davon abgesehen ist über die Kinder- und Jugendjahre von Gesine in der Familie nicht mehr viel bekannt. Sicher ist aber, dass sie zwischen 1915 und 1923 die von ihrem Elternhaus knapp anderthalb Kilometer entfernt liegende Volksschule im Nachbarort Rethorn besucht, die heute eine Kindertagesstätte beherbergt.

Einen Beruf erlernt Gesine – wie bei den meisten weiblichen Schulabgängern ihrer Zeit üblich – nach dem Schulabschluss nicht, in ihrem Stammbuch findet sich an der entsprechenden Stelle lediglich die Bezeichnung „Haustochter zu Nutzhorn“. In den folgenden zwölf Jahren wird sie aber vermutlich auf verschiedenen Höfen der näheren Umgebung gearbeitet und bei einer dieser Gelegenheiten ihren künftigen Ehemann Erich Vosteen kennengelernt haben.

Gesine und Erich heiraten am 10. Mai 1935 in Hude. Erich, der aus Kirchkimmen stammt, lebt zu dieser Zeit bereits auf dem Hof seines kinderlosen Onkels Hinrich Brinkmann in Hurrel. Dorthin folgt Gesine ihm, wo sie sich neben der täglichen Arbeit in der Landwirtschaft unter anderem auch um Hinrichs invalide Frau Gesine Brinkmann kümmert – und um den Nachwuchs, der sich schon bald einstellt: Am 22. Juni 1936 kommt Tochter Gerda zur Welt, am 13. November 1937 – zwei Tage vor Gesines 29. Geburtstag – folgt Tochter Hilde.

Mit den sich unmittelbar vor Gesines 30. Geburtstag abspielenden Ereignissen der Reichskristallnacht, spätestens aber mit dem Einmarsch in Tschechien im Frühjahr 1939 zeichnet sich ab, dass Deutschlands nationalsozialistische Regierung weder vor Gewalt noch vor der Gefahr eines neuen Krieges zurückschreckt, um ihre menschenverachtenden Ziele durchzusetzen. Zu diesem im September 1939 beginnenden Krieg wird zunächst auch Erich einberufen. Der Abschied von Gesine und den Kindern ist jedoch nicht von langer Dauer, da die Wehrmacht ihn wegen seiner eingeschränkten Sehkraft schon bald wieder nach Hause schickt.

Die Besetzung Hurrels durch kanadische Truppen und das Kriegsende Anfang Mai 1945 erlebt Gesine mit ihrer Familie unbeschadet zu Hause. Schon bald darauf kündigt sich an, dass diese Familie noch einmal wachsen wird: Am 10. April 1946 wird Erichs und Gesines dritte Tochter Elli geboren. Bereits einige Monate zuvor, an Gesines 37. Geburtstag am 15. November 1945, mussten die anderen Mitglieder ein Stück weit zusammenrücken: An diesem Tag erreicht der 12-jährige, aus Westpreußen stammende Vertriebenen-Junge Heinrich Moddelmog Hurrel und verbringt die folgenden Jahre im Vosteen-Haushalt.

Die Zeit des Wiederaufbaus nach dem verlorenen Krieg und der Gründung der Bundesrepublik im Mai 1949 ist für Gesine geprägt durch die Arbeit auf dem durch Zupachtung von 8 auf rund 16 Hektar vergrößerten Hof. Dass diese Jahre später als Wirtschaftswunder-Jahre in die Geschichtsbücher Einzug halten werden, erlebt sie nicht mehr mit: Am 11. Juli 1954 – eine Woche nach dem als Wunder von Bern gefeierten WM-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft über Ungarn – wird Gesine nach kurzer Bettlägerigkeit ins Krankenhaus eingewiesen, wo sie bereits am folgenden Tag an den Folgen einer zu spät diagnostizierten Thrombose stirbt. Beerdigt ist sie am 15. Juli auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.