Erwin Wiemer – Biographie

Erwin Reinhard Emil Wiemer wird am 11. Juli 1925 als elftes Kind von Heinrich und Johanne Wiemer in Astrup geboren. Er ist der jüngere Bruder von Georg Wiemer, Marie Nauen, Käthe Wiemer, Theo Wiemer, Heinrich Wiemer, Adele Othold, Else Diers, Karla Höbbel, Elfriede Brandes und August Wiemer.

Erwin wächst auf dem elterlichen Hof auf und besucht in Astrup acht Jahre lang die Volksschule. Da in der Gemeinde Wardenburg das Ältestenrecht gilt, ist von Beginn an klar, dass sein ältester Bruder Georg einmal den Hof übernehmen wird. Deshalb plant Erwin, nach der Schulentlassung eine Ausbildung bei der Post zu beginnen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 bringt diese Pläne jedoch gehörig durcheinander. Nacheinander werden alle älteren Brüder zur Wehrmacht eingezogen, so dass Erwin zunächst auf dem Hof bleibt und dort mit seinem Vater – die Mutter ist bereits 1938 an Krebs verstorben – den Betrieb aufrechterhält.

Auch Erwins Vater stirbt 1942 an Krebs, zudem fallen dem zunehmend verlustreicher werdenden Krieg drei seiner vier Brüder zum Opfer. Lediglich Heinrich und Erwin selbst, der Anfang 1945 als Mitglied des Aufgebots III noch eine Einberufung zum Volkssturm erhält, kehren unversehrt zurück. Da Heinrich als älterer der beiden den Hof für sich beansprucht, arbeitet Erwin fortan als Knecht auf mehreren Höfen in der näheren Umgebung, unter anderem in Mosleshöhe bei Edewecht und in Bümmerstede.

Anfang 1954 wechselt Erwin schließlich auf den Möhlenbrock-Hof in Dwoberg (Gemeinde Ganderkesee). Dort freundet er sich mit Hugo Timmermann an, der als Knecht auf dem nahegelegenen Hof von Bernhard Ahlers arbeitet. Bei dieser Gelegenheit lernt er auch Bernhards Tochter Wilma kennen, die mit ihrem zweijährigen Sohn Heinz noch bei den Eltern wohnt. Die beiden werden ein Paar und heiraten am 18. Januar 1956. Im Mai desselben Jahres kommt Tochter Rita zur Welt. Ein freudiges Ereignis, dem jedoch schon bald aus heiterem Himmel ein trauriges folgt: Am 8. November 1956 stirbt Wilmas Mutter Gesine im Alter von nur 69 Jahren.

In den folgenden Jahren bewirtschaften Erwin und Wilma den Ahlers-Hof als Pächter. Auch in dieser Zeit wechseln sich Freud und Leid ab: Der am 22. Mai 1960 geborene Sohn Rainer lebt nur für einen Tag, am 25. Mai 1962 wird die zweite Tochter Vera geboren und am 17. Juli 1962 stirbt – mit 66 Jahren – ebenfalls völlig unerwartet Wilmas Vater an den Folgen einer Bauchfellentzündung. Ein Tod mit weitreichenden Folgen für Erwin und Wilma: Zwar hatte Bernhard Ahlers seiner Tochter mündlich zugesichert, ihr den Hof zu vermachen. Er war aber nicht mehr dazu gekommen, ein entsprechendes Testament aufzusetzen. Folglich wird Bernhards Sohn Adolf, der bereits einen Hof in Bergedorf bewirtschaftet, als Erbe eingesetzt; für Erwin und Wilma bleibt es beim undankbaren Pächter-Status.

Weil das Verhältnis zu Wilmas Geschwistern unter dieser Erbstreitigkeit leidet, sehen sich Erwin und Wilma in den folgenden Jahren nach einer Alternative um. Fündig werden sie schließlich in Hurrel, wo sie Ende 1969 den Hof von Hartmut Franz am Oldenburger Weg kaufen. Da dieser mit knapp 14 Hektar für einen Vollerwerbsbetrieb zu klein ist, tritt Erwin einige Monate vor dem Umzug am 20. Mai 1970 eine Stelle als Kraftfahrer bei der Baugesellschaft Ganderkesee an.

Die Arbeit als LKW-Fahrer und Nebenerwerbs-Landwirt nimmt Erwin in den folgenden 15 Jahren voll in Anspruch. Die freie Zeit, die ihm bleibt, widmet er wie schon in Ganderkesee seiner großen Passion, der Pferdezucht. Daneben ist er Mitglied im Reiterverein Ganderkesee und begleitet seinen ähnlich reitsportbegeisterten Stiefsohn Heinz – den späteren Gründer der Hengststation Ahlers in Hatten – regelmäßig auf Turniere. Diesem Hobby bleibt Erwin auch treu, als er 1985 bei der Baugesellschaft Ganderkesee in den Vorruhestand geht und fünf Jahre später die Landwirtschaft aufgibt. Selbst als es ihm in Folge einer Anfang der 90er Jahre erlittenen Borreliose gesundheitlich zunehmend schlechter geht, umsorgt er in seinem Stall bis zu zehn Pferde.

Kurz vor seinem 79. Geburtstag erliegt Erwin den Folgen der Borreliose, die nach und nach alle lebenswichtigen Organe befallen hat. Beerdigt ist er am 28. Juni 2004 auf dem Friedhof der St. Cyprian- und Cornelius-Kirche in Ganderkesee, auf dem 1960 auch Sohn Rainer zu Grabe getragen wurde.