Berta Franz – Biographie

Christiane Thekla Berta Franz – Rufname Berta – wird am 7. November 1872 im thüringischen Dorfilm (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) als eines von vier Kindern von Louis Mörl und Therese Mörl geboren. Dem Datum der Eheschließung ihrer Eltern – 2. Mai 1871 – zufolge könnte Berta die Zweitgeborene sein. Bei der Geburt des letzten Geschwisterkindes am 11. März 1875 stirbt die Mutter, so dass Berta als Halbwaise aufwächst.

Ob Bertas Vater später noch ein zweites Mal heiratet, ist nicht bekannt – ebenso wenig, wo sie die Schule besucht und ob sie nach dem Schulabschluss wie zu jener Zeit üblich irgendwo in einem Haushalt in Stellung geht. Sehr weit weg von zu Hause verschlagen haben kann es sie jedoch nicht: Ihr späterer Mann Karl Franz, den sie am 23. Mai 1899 im Alter von 26 Jahren heiratet, stammt aus dem nur rund zehn Kilometer von Dorfilm entfernt liegenden Dorf Neidenberga.

Nach der Hochzeit zieht Berta mit Karl in den Haushalt ihres Schwiegervaters Louis Franz, der in Neidenberga eine kleine Schmiedewerkstatt betreibt, aber nur dreieinhalb Monate nach der Hochzeit stirbt. Zu dieser Zeit ist Berta bereits hochschwanger: Sechs Wochen später, am 17. Oktober 1899, wird Sohn Kurt geboren. In den folgenden acht Jahren, in denen Karl die Schmiede fortführt und nebenbei ein wenig Landwirtschaft betreibt, kommen mit Erna, Elly, Otto, Erwin und Rudolf fünf weitere Kinder hinzu. Dazwischen stirbt im Mai 1903 Bertas Schwiegermutter Friederike Franz, die bis dahin ebenfalls mit zum Haushalt gehört.

Weil die trotz des neuerlichen Todesfalls stetig größer werdende Familie weder von den Erträgen der von Karls Urgroßvater Johann Franz begründeten Schmiede noch von der Landwirtschaft leben kann, entschließen sich Karl und Berta zu einem Neuanfang. Sie bewerben sich für ein Siedlungs-Projekt in Westpreußen, wo die staatlichen Behörden nach der Aufteilung mehrerer großer Rittergüter zu sehr günstigen Konditionen Land zum Kauf anbieten. Am 1. Juli 1910 heißt es deshalb Abschied nehmen von Freunden und Verwandten: Das Ziel der Reise heißt Rebkau – ein mehr als 500 Kilometer nordöstlich von Neidenberga gelegenes, rund 150 Einwohner zählendes Dorf im Landkreis Kulm.

Der Start in der Fremde gelingt, nicht zuletzt dank des sehr fruchtbaren Bodens. Für Berta beginnt der neue Lebensabschnitt jedoch mit einem altbekannten Zustand: Sie ist schwanger, im Juli 1911 kommt mit Sohn Arno ihr siebtes und letztes Kind zur Welt. Kurz nach Arnos drittem Geburtstag wirft dann der Ausbruch des Ersten Weltkriegs alle weiteren Planungen für die Zukunft über den Haufen – auch wenn die für Rebkau gravierendsten Folgen dieses epochalen Ereignisses erst mehr als zwölf Monate nach dessen Ende offenbar werden: Der zwischen den Siegermächten und dem Deutschen Reich geschlossene Friedensvertrag von Versailles schlägt den Landkreis Kulm Anfang 1920 der Zweiten Polnischen Republik zu.

Die abermalige Suche nach einer neuen Heimat führt Familie Franz dieses Mal in die andere Himmelsrichtung: nach Hurrel, wo sich Karl und Berta mit den Kindern im Mai 1920 auf dem ehemaligen, rund zwölf Hektar großen Hof von Hermann Christian Bischoff (heute: Wilma Wiemer) niederlassen. Was die Qualität des bearbeiteten Bodens angeht, ist es alles andere als ein guter Tausch, doch letztlich gelingt – wenngleich unter vielen Entbehrungen in den Anfangsjahren – auch die zweite Umsiedelung. Nach dessen Heirat mit Johanne Wunderlich aus Altmoorhausen übergeben Karl und Berta den Betrieb Ende 1931 ihrem ältesten Sohn Kurt, bleiben aber weiter dort wohnen.

In den folgenden zehn Jahren kann sich Berta über die Geburt von insgesamt elf Enkelkindern freuen – die erste Enkeltochter Elly Höpken ist bereits im April 1928 geboren. Zum Ende ihres Lebens muss sie aber im Januar 1940 auch den Verlust ihres Mannes Karl verkraften und zudem fürchten, dass einer ihrer zur Wehrmacht eingezogenen Söhne dem im September 1939 ausgebrochenen Zweiten Weltkrieg zum Opfer fällt. Dass diese Sorge unbegründet ist, erlebt sie nicht mehr: Berta stirbt am 29. April 1941 nach einem Schlaganfall und wird wenige Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude beigesetzt.