Johann Bleckwehl – Biographie

Johann Hinrich Bleckwehl wird am 20. Januar 1871 als sechstes Kind von Johann Bleckwehl und Anna Bleckwehl auf dem elterlichen Hof in Steinkimmen (heute: Herbert Bleckwehl) geboren. Er ist der jüngere Bruder von Hermann Bleckwehl, Hinrich Bleckwehl, Meta Meyer, Friedrich Bleckwehl und Catharina Blankemeyer. Seinen ältesten Bruder Hermann – ein Zwilling von Hinrich – lernt Johann allerdings nie kennen: Er stirbt im Januar 1857 drei Wochen nach der Geburt.

Johanns auf einen Freitag fallende Ankunft beschließt eine für Deutschland historisch bedeutsame Woche: Nur zwei Tage zuvor wird Preußenkönig Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Kaiser ausgerufen. Das siegreiche Ende des deutsch-französischen Krieges läutet nicht zuletzt aufgrund umfangreicher französischer Reparationszahlungen eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs ein. Im seit jeher stark landwirtschaftlich geprägten Großherzogtum Oldenburg, zu dem Steinkimmen gehört, ändert sich dadurch jedoch vergleichsweise wenig, auch wenn das nahegelegene Delmenhorst durch die kurz zuvor eröffnete Bahnstrecke Bremen-Oldenburg in den folgenden zwei Jahrzehnten zur größten Industriestadt zwischen Weser und Ems aufsteigt.

Ob die Arbeit in einem Industriebetrieb wie der Norddeutschen Wollkämmerei oder der Delmenhorster Linoleumfabrik für Johann je eine Option darstellt, ist nicht überliefert. Da er als Sohn eines Brinksitzers von klein auf mit der Landwirtschaft aufwächst, ist es jedoch wahrscheinlicher, dass er nach dem Abschluss der Volksschule zunächst auf irgendeinem anderen Hof in der näheren Umgebung in Stellung geht und dort seine spätere, aus Hurrel stammende Ehefrau Sophie Witte kennenlernt. Gleichzeitig muss er jedoch irgendwo das Handwerk des Schuhmachers erlernen, denn damit bestreitet er später einen Teil seines Lebensunterhalts.

Johann und Sophie heiraten am 3. April 1900 in Hude. Ein Ereignis, das seine Eltern nicht mehr miterleben – Vater Johann stirbt bereits im März 1888 an Asthma, Mutter Anna im Dezember 1890 an Tuberkulose. Von den Schwiegereltern wohnt lediglich noch Sophies Vater der Trauung bei. Johann Witte ist zu diesem Zeitpunkt aber bereits schwerkrank und stirbt nur acht Tage später. Als Todesursache nennt das Huder Kirchenbuch Wassersucht, die vermutlich ebenfalls auf eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien zurückgeht.

Wo genau Johann und Sophie die ersten Jahre nach der Hochzeit wohnen und arbeiten, lässt sich nicht mehr exakt rekonstruieren. Beim Eintrag für den im März 1901 zwei Tage nach der Geburt ungetauft verstorbenen Sohn Johann Hinrich findet sich für Johann im Kirchenbuch der Hinweis „Brinksitzer zu Hurrel“, bei den nachfolgenden Kindern ergänzt um die Bezeichnung „Schuhmachermeister“. Um den Hof des 1900 verstorbenen Schwiegervaters (heute: Hans und Heike Burgmann) kann es sich dabei jedoch nicht handeln, diesen übernimmt noch im selben Jahr Sophies Bruder Johann Wilhelm Witte. Sehr wahrscheinlich lebt das junge Paar deshalb zum Zeitpunkt der Trauung bereits auf dem Altenteiler-Hof von Johann und Meta Ohlebusch (heute: Angelika Mielke), den Johann laut Hurreler Chronik 1907 kauft.

Insgesamt bringt die Ehe von Johann und Sophie zwischen 1902 und 1912 mit Martha, einer totgeborenen Tochter, Alma, Emma Mathilde und Anni fünf weitere Kinder hervor. Da im Februar 1911 auch Emma Mathilde im Alter von 20 Monaten stirbt, bleiben am Ende drei Töchter übrig, die in den folgenden Jahren auf der neu erworbenen, rund acht Hektar großen Brinksitzerei inklusive Schuhmacher-Werkstatt aufwachsen.

Am 1914 ausbrechenden Ersten Weltkrieg nimmt Johann von Beginn an teil. Ob er sich freiwillig meldet oder zu den wenigen 40- bis 45-Jährigen gehört, die bei Kriegsausbruch einen regulären Stellungsbefehl erhalten, ist in der Familie nicht mehr bekannt, ebenso wenig sein Einsatzort. Er kehrt allerdings 1918 unversehrt von der Front zurück und nimmt seine normale Arbeit wieder auf.

Die 20er Jahre bringen neue Herausforderungen für Johann und seine Familie. Sophie Bleckwehl leidet an Herzasthma und ist angesichts ihrer damit verbundenen Atemnot nur noch wenig belastbar. Sie stirbt im Januar 1924, daraufhin zieht Johann die jüngste Tochter Anni alleine groß. Aus dieser Zeit und auch aus den 30er Jahren sind bis auf zwei Fotos nur wenige Zeugnisse aus Johanns Leben überliefert. Das eine zeigt ihn bei der Arbeit in seiner Werkstatt, das andere als aktives Mitglied des Schützenvereins Hurrel.

Im Frühjahr 1940 heiraten mit Alma und Anni gleich zwei seiner Töchter. Annis Ehemann Johann Diers erklärt sich bereit, den Hof in Hurrel fortzuführen – wird aber angesichts des bereits seit sechs Monaten durch Europa tobenden Zweiten Weltkriegs unmittelbar nach der Trauung zur Wehrmacht einberufen. Die Rückkehr des Schwiegersohns aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft erlebt Johann nicht mehr: Er stirbt am 26. Oktober 1947 an einem Magenleiden und wird vier Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude beigesetzt.