Hinrich Friedrich Lüning wird am 31. Januar 1877 als zweites Kind von Bernhard Lüning und Hermine Lüning auf dem elterlichen Hof in Hurrel (heute: Karin Spreen) geboren. Er ist der jüngere Bruder von Johann Diedrich Lüning und der ältere Bruder von Mathilde Spreen und Hermann Bernhard Lüning. Daneben hat er noch eine sofort nach der Geburt am 18. Mai 1890 verstorbene Schwester, die deshalb namenlos geblieben ist.
Am Vorabend von Hinrichs Geburt überrascht eine in ihrer Heftigkeit zunächst unterschätzte Sturmflut auf der Nordsee zahlreiche Orte in Ostfriesland und den Niederlanden. Das Wasser erreicht teilweise Höhen von 6 Metern über Normalstand und überflutet unter anderem Leer. In Kanalpolder am Dollart ertrinken 35 Arbeiter, die dort mit der Landgewinnung beschäftigt sind. Schwere Schäden meldet auch die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn. In der Nähe eines nur wenige Monate zuvor fertiggestellten Abschnitts der Strecke von Ihrhove nach Neuschanz bricht der Emsdeich, das eindringende Wasser zerstört rund 500 Meter Bahndamm und beschädigt eine Brücke. Erst Anfang April rollen dort wieder Züge über die Ems. Da hat Ostfriesland bereits die nächste Sturmflut hinter sich: Sie tobt am 8. und 9. März 1877, läuft aber letztlich deutlich glimpflicher ab.
Insgesamt herrscht 1877 im sechs Jahre zuvor gegründeten Deutschen Reich mitunter extremes, aber keineswegs unangenehmes Wetter. So messen Meteorologen am 1. Januar in Karlsruhe eine Temperatur von 16,5 Grad Celsius – ein deutscher Rekordwert für den Neujahrstag, der auch 125 Jahre später noch Bestand hat. Um die damals wie heute stark von den Launen der Natur abhängige Landwirtschaft zu unterstützen, veröffentlicht das „Meteorologische Bureau für Prognosewesen“ in Leipzig ab 1878 erstmals regelmäßige Wettervorhersagen. Eine Wissenschaft, der in jenen Jahren allerdings reichlich Misstrauen entgegengebracht wird, auch von höchster Stelle: Reichskanzler Otto von Bismarck lehnt derartige Prognosen ab, weil sie „das Feld für böswillige Kritik und für feindliche Bearbeitung der Bevölkerung gegen die Regierung“ vergrößern könnten.
Statt mit moderner Meteorologie halten es die meisten Bewohner Hurrels und der anderen Dörfer im Großherzogtum Oldenburg zur Zeit von Hinrichs Geburt vermutlich eher mit althergebrachten, teilweise noch heute gültigen Bauernregeln. Abhängig vom Wetter sind sie in jedem Fall, denn nahezu alle Familien verdienen ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft. Auch Hinrichs Eltern, die einen kleinen, von seinem Großvater Johann Lüning begründeten Hof an der Pirschstraße bewirtschaften. Dort wächst Hinrich mit seiner drei Jahre jüngeren Schwester Mathilde auf – der ältere Bruder Johann Diedrich ist bereits im März 1876 als Säugling verstorben. Auch der im Mai 1886 hinzukommende Bruder Hermann Bernhard stirbt nach nur sieben Monaten.
Vermutlich ab Frühjahr 1883 besucht Hinrich die Volksschule in Lintel, wo unter anderem Georg Haverkamp, Johann Hinrich von Seggern, Hinrich Schweers, Gerhard Stolle und Bernhard Wilkens zu seinen in etwa gleichaltrigen Hurreler Mitschülern gehören. Als einziger verbliebener Sohn der Familie dürfte er darüber hinaus von seinen Eltern früh darauf vorbereitet werden, eines Tages den Lüning-Hof zu übernehmen. Indes, soweit kommt es nicht: Hinrich stirbt am 22. Juni 1895, nur knapp fünf Monate nach seinem 18. Geburtstag. Über die Todesursache gibt das Kirchenbuch der Gemeinde Hude keine Auskunft. Beerdigt ist Hinrich fünf Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.