Johann Georg August Punke – Rufname Georg – wird am 13. März 1902 als erstes Kind von Heinrich Punke und Meta Barkemeyer auf dem Hof seines Großvaters Diedrich Barkemeyer in Hurrel (heutige Eigentümerin: Irmgard Wachtendorf) geboren. Er ist der ältere Bruder von Magdalena Mönnich.
In den Wochen vor Georgs Geburt erhitzt der deutsch-französische Champagner-Krieg beiderseits des Rheins die Gemüter. Seinen Anfang nimmt er in New York: Dort findet am 25. Februar der Stapellauf der für Wilhelm II. gefertigten Yacht Meteor III statt. Deutschlands Kaiser hatte mit dem Bau erstmals eine US-Werft beauftragt, um ein Zeichen für die deutsch-amerikanische Freundschaft zu setzen. Ranghöchste Zeugen der Zeremonie sind Wilhelms aus Berlin angereister Bruder Heinrich und US-Präsident Theodore Roosevelt, die obligatorische Schiffstaufe nimmt Roosevelts 18-jährige Tochter Alice vor. Zum Einsatz kommt – wie fast immer bei derartigen Anlässen im kaiserlichen Umfeld – eine Flasche Sekt der Wiesbadener Kellerei Söhnlein Rheingold.
Letzteres ist jedoch ein Irrtum. Denn George Kessler, umtriebiger US-Repräsentant des französischen Champagner-Fabrikanten Moët & Chandon, hatte zuvor den Werftbesitzer bestochen, damit dieser die für die Taufe vorgesehene Flasche heimlich austauscht. Auch auf dem anschließenden Empfang wird Champagner von Moët & Chandon gereicht. Als nun am Tag nach dem Stapellauf deutsche Zeitungen über das Ereignis berichten und dabei auch den deutschen Tauf-Sekt lobend erwähnen, kontern französische Zeitungen mit dem wahren Sachverhalt. Moët & Chandon schaltet zudem entsprechende Werbeanzeigen.
Die Verwirrung ist groß, die nach Bekanntwerden des Coups auf deutscher Seite hochkochende Empörung auch. Auch internationale Zeitungen berichten nun auf ihren Titelseiten über den Fall. Mit einer Klage gegen Söhnlein Rheingold wegen falscher Behauptungen kippen die Franzosen noch zusätzlich Öl ins Feuer – vor dem Wiesbadener Landgericht fordert Moët & Chandon eine Million Mark Schadenersatz.
Nach einem fast zwölfmonatigen Verhandlungs-Marathon schmettern die Richter die Klage im November 1903 schließlich ab. Zwar habe Söhnlein Rheingold in Anzeigen falsche Tatsachen verbreitet. Dies sei aber nur geschehen, weil der bestechliche Werftbesitzer und der US-Vertreter von Moët & Chandon entgegen den Willensbekundungen des amerikanischen Präsidenten und des deutschen Kaisers gehandelt hätten. Die Gerichtskosten in Höhe von 40.000 Mark muss Moët & Chandon tragen, wobei der Gegenwert der durch die Affäre befeuerten kostenlosen Publicity ungleich höher sein dürfte. Ähnliches gilt für Söhnlein Rheingold, deren Marketing-Experten den gewonnenen „Millionenprozess“ noch über Jahre hinaus zu Werbezwecken ausschlachten.
Als die Wiesbadener Richter ihr Urteil sprechen, lebt Georg schon längst nicht mehr in Hurrel. Heinrich Punke und Meta Barkemeyer heiraten im Mai 1902, zwei Monate nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Mutter und Kind ziehen daraufhin auf den Hof des Vaters, den dieser mit seinen Eltern in Wraggenort bewirtschaftet (heute: Hilde Reuter). Dort besucht Georg ab 1908 acht Jahre lang die Volksschule, konfirmiert wird er im Frühjahr 1916 in der St.-Dionysius-Kirche in Holle. Ein Fest, das Georg, Meta und die knapp vier Jahre jüngere Schwester Magdalena ohne den Vater feiern müssen: Schon kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 ist Heinrich Punke als Soldat der kaiserlichen deutschen Armee nach Belgien abgerückt.
Als sein Vater Ende 1918 aus dem Krieg zurückkehrt, besucht Georg bereits die Landwirtschaftsschule in Oldenburg, die er 1920 abschließt. Für ihn ist relativ schnell klar, dass er als einziger Sohn eines Tages den rund 20 Hektar großen Hof von den Eltern übernehmen wird. Die passende Frau dazu findet sich schon bald ganz in der Nähe: Auguste Jürgens, die von einem Bauernhof in Edewecht stammt, arbeitet im damals von Wilhelm Noll betriebenen Wüstenlander Hof. Georg und Auguste heiraten im Oktober 1929, unmittelbar vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise. Im Dezember 1931, als die Krise längst auch Deutschland erreicht hat und Reichskanzler Heinrich Brüning immer häufiger per Notverordnung regiert, kommt Tochter Hilde zur Welt.
Vier Wochen nach Hildes Geburt stirbt Heinrich Punke im Alter von nur 54 Jahren an einem Herzschlag. Georg übernimmt daraufhin den Punke-Hof und führt neben der Pferde-, Rinder- und Schweinezucht auch die 1914 von seinem Vater begründete und von zahlreichen Bauern aus der Umgebung genutzte Hengststation fort. Zu dieser Zeit ist er auch im Schützenverein Wüsting aktiv und wird dort 1935 zum Schützenkönig ausgerufen.
Zum im September 1939 von den Nationalsozialisten begonnenen Zweiten Weltkrieg wird Georg zunächst nicht eingezogen – als Begründung dient offenbar die für die Aufrechterhaltung der örtlichen Landwirtschaft als wichtig erachtete Hengststation. Am 5. April 1940 stirbt Georgs Mutter Meta an einer Lungenentzündung. Ihr Begräbnis am 9. April fällt auf den Tag, an dem die Wehrmacht im Rahmen der Operation Weserübung Norwegen und Dänemark überfällt.
Im Frühjahr 1945 muss Georg doch noch zum Volkssturm einrücken, kann dort aber erwartungsgemäß gegen die sich abzeichnende Niederlage nichts mehr ausrichten. Als der Krieg Anfang Mai endlich zu Ende ist, kehrt er von seinem letzten Einsatzort Fedderwardersiel aus mit dem Fahrrad nach Hause zurück.
In den Nachkriegsjahren legen Georg und Auguste den Schwerpunkt ihrer Arbeit weiter auf die Pferdezucht. Die Hengststation geben sie allerdings nahezu zeitgleich mit der im Oktober 1954 im Wüstenlander Hof gefeierten Silberhochzeit auf – ein Tribut an die seit Beginn der 50er Jahre rasch voranschreitende Technisierung der Landwirtschaft. Die hinzugewonnene Zeit nutzt Georg unter anderem für ehrenamtliches Engagement: So gehört er zu den Mitgründern des 1947 ins Leben gerufenen Heimatvereins Wüsting, der ihn Mitte der 70er Jahre für seine langjährige Aktivität zum Ehrenvorsitzenden ernennt.
Das Jahrzehnt des Wiederaufbaus endet für Georg und Auguste mit der im Mai 1959 geschlossenen Ehe ihrer Tochter Hilde mit Günter Reuter. Bis 1966 kommen mit Hajo, Gerd, Ahlke und Hilmar vier Enkelkinder zur Welt. Als Georg 1967 das Rentenalter erreicht, fährt er die Landwirtschaft Stück für Stück zurück und gibt sie schließlich bis Ende der 70er Jahre ganz auf. Seiner Leidenschaft für die Pferdezucht geht er jedoch weiter nach und gibt diese auch an die Enkel weiter.
Im Oktober 1979 feiern Georg und Auguste ihre Goldene Hochzeit bei guter Gesundheit abermals im Wüstenlander Hof. Es soll der vorletzte gemeinsame Hochzeitstag sein: Georg stirbt am 4. August 1981 an einem Herzschlag und wird wenige Tage später auf dem Friedhof der St.-Dionysius-Kirche in Holle beerdigt.