Christoph Tönjes wird am 29. Juli 1788 als zweites Kind von Johann Peter Ernst Tönjes und Anna Maria Tönjes in Hurrel geboren. Er ist der jüngere Bruder von Anna Margarete Tönjes und der ältere Bruder von Gesche Margarete Wragge, Metje Margarete Tönjes und Harm Tönjes.
Vier Wochen vor Christophs Geburt beginnt mit einem von schwedischer Seite inszenierten Gefecht der Russisch-Schwedische Krieg. Um einen feindlichen Angriff vorzutäuschen, stattet Schwedens König Gustav III. Soldaten seiner Armee mit nachgemachten russischen Uniformen aus und lässt sie das eigene Territorium beschießen. Die Verantwortung dafür schiebt er Zarin Katharina II. zu. Vom derart provozierten Waffengang gegen die mit ihm verwandte russische Herrscherin – Katharina ist die jüngste Tochter seiner Tante Johanna Elisabeth von Schleswig-Holstein-Gottorf und somit seine Kusine – erhofft Gustav sich zweierlei: zum einen eine Verbesserung seines innenpolitischen Ansehens und zum anderen eine Revision der 1721 und 1743 in früheren Kriegen gegen Russland erlittenen Gebietsverluste.
Zunächst hat es den Anschein, als ginge Gustavs Plan auf. Mit Preußen und Großbritannien betrachten gleich zwei europäische Großmächte die schwedische Aggression mit stillhaltendem Wohlwollen, weil sie einen weiteren Aufstieg Russlands, das im seit 1787 gemeinsam mit Österreich geführten Krieg gegen das Osmanische Reich zunehmend Erfolge feiert, verhindern wollen. In der Heimat regt sich jedoch schon bald Widerstand: Eine im Anjala-Bund zusammengeschlossene Gruppe heimischer Offiziere stellt sich offen gegen Gustav und fordert ihn am 12. August 1788 zu einem Verhandlungsfrieden mit Katharina auf. Parallel dazu tritt Dänemark auf russischer Seite in den Krieg ein. Am 6. Oktober erreichen dänische Truppen Göteborg und fordern den in der Stadt eingeschlossenen König zur Kapitulation auf.
In dieser bedrohlichen Lage erhält Gustav einmal mehr Rückendeckung durch Großbritannien. Die britische Regierung unter Premierminister William Pitt vermittelt einen Waffenstillstand mit Dänemark, so dass Gustav sich mit seiner Armee wieder ganz auf das ursprüngliche Ziel Russland konzentrieren kann. Dabei gewinnt Schweden zwar mehr und mehr die Überhand, kann dem Gegner aber keine entscheidende Niederlage beibringen. Der am 14. August 1790 geschlossene Friede von Värälä beendet den Krieg, ohne dass es zu territorialen Veränderungen kommt. Innenpolitisch bleibt die Lage in Schweden danach angespannt. Mitglieder des von Gustav während seiner Regentschaft teilweise entmachteten Adelsstandes kämpfen um ihren Einfluss und planen ein Attentat, bei dem Gustav am 16. März 1792 während eines in der Königlichen Oper von Stockholm gefeierten Maskenballs schwer verletzt wird. Er stirbt zwei Wochen später im Alter von 46 Jahren.
Den Krieg im hohen Norden Europas und die Ermordung des schwedischen Königs nimmt in Hurrel und den anderen Dörfern des Herzogtums Oldenburg vermutlich niemand groß zur Kenntnis – obwohl Gustav III. auch mit Oldenburgs Prinzregent Peter Friedrich Ludwig verwandt ist. Dasselbe dürfte zunächst für ein weiteres Ereignis gelten, das kurz vor Christophs erstem Geburtstag in Paris seinen Anfang nimmt: Am 14. Juli 1789 beginnt mit dem Sturm auf die Bastille die Französische Revolution. Dass die dadurch ausgelösten europäischen Koalitionskriege sich mehr als 20 Jahre lang hinziehen und Christophs Heimat zwischenzeitlich sogar zur französischen Provinz werden lassen, kann im 1789 noch bestehenden, von Kaiser Joseph II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen regierten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wohl niemand absehen.
Christophs Familie wohnt bei seiner Geburt sehr wahrscheinlich schon in einem Heuerhaus, das zum heutigen Hof von Udo und Svetlana Wilkens gehört. Diesen Wohnsitz bestätigt elf Jahre später das von Pastor Diedrich Konrad Muhle angelegte Seelenregister für die Gemeinde Hude. Zu diesem Zeitpunkt besucht Christoph bereits die gemeinsam mit dem Nachbardorf betriebene Volksschule in Lintel, wo aus Hurrel unter anderem Hinrich Ahlers, Johann Hinrich Barkemeyer, Bernd Haverkamp, Johann Holthus, Menke Petermann, Johann Hinrich Schweers und Gerd Vosteen zu den in etwa gleichaltrigen Mitschülern gehören. Die sieben Jahre ältere Schwester Anna Margarete hat 1799 ihr Elternhaus bereits verlassen und arbeitet auf einem Hof in Stedingen.
Christophs Eltern haben als Heuerleute in Hurrel allem Anschein nach keinen eigenen Grundbesitz – wohl aber im benachbarten Sandtange, wo Vater Johann Peter Ernst in historischen Unterlagen als Eigentümer einer 1794 begründeten, am heutigen Wietingsweg gelegenen Brinksitzerei genannt wird. Wann die Familie nach dorthin umzieht, lässt sich mehr als 200 Jahre später nicht mehr zuverlässig rekonstruieren. Gut möglich jedoch, dass Christoph kurz vor dem Abschluss noch einmal die Schule wechselt und statt in Hude in der Nachbargemeinde Hatten konfirmiert wird.
Die folgenden Jahre in Christophs Leben liegen heute ebenfalls im Dunkeln. Arbeitet er nach seiner Schulentlassung auf dem elterlichen Hof mit? Wie erlebt er die seit 1792 tobenden Koalitionskriege, den Aufstieg Napoleons und den im Dezember 1810 beginnenden Einmarsch französischer Truppen? Bewahrt ihn nur das nötige Quentchen Glück davor, wie sein ehemaliger Hurreler Schulkamerad Johann Hinrich Barkemeyer als Mitglied der Grande Armée an Napoleons Russland-Feldzug teilzunehmen zu müssen? Fragen über Fragen, auf die sich heute kaum noch Antworten finden lassen werden. Außer Zweifel steht jedoch, dass auch nach der Rückkehr Peter Friedrich Ludwigs aus dem russischen Exil und dem endgültigen Sieg über Napoleon in der Schlacht bei Waterloo die Bevölkerung im 1815 auf dem Wiener Kongress zum Großherzogtum erhobenen Oldenburg leidet – dafür sorgt allein schon das „Jahr ohne Sommer“, das 1816 fast überall in Europa zu Wetter-Kapriolen und Missernten führt.
Im Januar 1817 heiratet Christophs Schwester Gesche Margarete Gerhard Wragge aus Lintel. Ein Jahr später stirbt sein einziger, vermutlich als Hoferbe vorgesehener Bruder Harm. Christoph selbst heiratet am 7. November 1820 Anna Catharina Klostermann aus Döhlen. Der gemeinsame, im Oktober 1821 in Sandtange geborene und nach seinem Großvater benannte Sohn Johann Peter Ernst lebt nur acht Monate. Sechs Wochen nach seinem Tod, am 16. Juli 1822, stirbt auch Ehefrau Anna Catharina. Zwei Schicksalsschläge, die Christoph mit Sicherheit hart zusetzen – ihn aber letztlich nicht aus der Bahn werfen. Am 1. Juni 1824 steht er ein zweites Mal vor dem Traualtar, dieses Mal mit Gesche Margarete Ramke aus Everndorf bei Ganderkesee. Als erstes Kind aus dieser neuen Verbindung geht am 25. Mai 1825 Sohn Johann Hinrich hervor. Ein zweites, am 5. Februar 1828 geborenes Kind stirbt noch am selben Tag und bleibt namenlos.
Kurz nach diesem erneuten Schicksalsschlag siedelt Christoph mit Gesche Margarete und Sohn Johann Hinrich von Sandtange nach Hemmelsberg über. Er übernimmt am Brandholzweg ein 1817 ursprünglich Ahrend Garbers zugesprochenes Areal, das dieser aufgrund seines frühen Todes nicht mehr selbst kultivieren konnte, und errichtet darauf für seine Familie ein Haus (heutige Eigentümer: Karin und Helga Claußen). In Hemmelsberg kommen mit Gerhard (Februar 1834) und Johann Diedrich (April 1840) zwei weitere Söhne hinzu.
Das folgende Jahrzehnt, mit dem nachfolgende Generationen vor allem die 1848 beginnende und am Ende gescheiterte Märzrevolution in Verbindung bringen, dürften für Christoph und seine Familie als Pionier-Siedler in eher unwirtlichem Gelände von harter Arbeit geprägt sein. Im Juni 1855 wird er zum zweiten Mal Witwer: Ehefrau Gesche Margarete erliegt mutmaßlich der im 19. Jahrhundert allgegenwärtigen Volkskrankheit Tuberkulose – darauf deutet zumindest der Sterbe-Eintrag „Brustkrankheit“ im Kirchenbuch der Gemeinde Hude hin. Zwei Jahre zuvor ist Christoph zum ersten Mal Großvater geworden: Schwiegertochter Catharine Sophie – seit Februar 1853 mit Christophs ältestem Sohn Johann Hinrich verheiratet – hat im September 1853 Enkelsohn Johann Christopher zur Welt gebracht. Im September 1855 folgt mit dessen Schwester Anna Gesina das zweite Enkelkind.
Johann Hinrich Tönjes, der den Hof 1860 übernimmt, sieht im obrigkeitsstaatlichen Deutschland für sich und seine Familie offenbar nur wenig Perspektiven. Er schifft sich bereits im Mai 1869 in die USA ein, um dort das Terrain für eine Auswanderung zu erkunden. Ehefrau Catharine Sophie bleibt derweil noch in Hemmelsberg und wickelt den Verkauf des Tönjes-Hofes an Eilert Westing aus Holle ab. Ihre Ausreise und die der beiden Enkelkinder – sie werden im September 1873 von Johann Hinrich abgeholt – erlebt Christoph nicht mehr mit: Er stirbt am 8. März 1870 und wird sechs Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude beerdigt.