Anna Catharine Wieting wird am 17. August 1865 als drittes Kind von Carl Friedrich Bödeker und Anna Marie Bödeker in Nuttel geboren. Sie ist die jüngere Schwester von Johann Diedrich Bödeker und Gesine Margarete Möhlmann und die ältere Schwester von Carl Hinrich Bödeker, Trinchen Gesine Pape und Hinrich Friedrich Bödeker. Darüber hinaus hat sie mit Johann Eberhard Bödeker und Diedrich Bödeker noch zwei ältere Halbbrüder aus der ersten Ehe ihres Vaters mit Catharina Wiechmann.
Vier Tage vor Annas Geburt stirbt mit Ignaz Semmelweis die „wohl tragischste Figur der Medizingeschichte“ („Spektrum der Wissenschaft“). Der ungarische Arzt, heute vielfach als „Retter der Mütter“ verehrt, hatte 1847 am Allgemeinen Krankenhaus in Wien als erster Mediziner entdeckt, dass mangelnde Hygiene von Ärzten die Hauptursache für das damals in fast allen Geburtshäusern Europas grassierende Kindbettfieber ist. Bei seinen sich in ihrer Berufsehre gekränkt fühlenden Kollegen findet Semmelweis damit jedoch kein Gehör, im Gegenteil: Sie beschimpfen ihn als Nestbeschmutzer und Wirrkopf und legen ihm wo es nur geht Steine in den Weg. Eine Reaktion, die Semmelweis resignieren und später sogar in Depressionen verfallen lässt. Gegen seinen Willen wird er im Juli 1865 in die Landesirrenanstalt Döbling eingewiesen, wo er schließlich unter bis heute nicht restlos geklärten Umständen ums Leben kommt.
Ebenfalls nur wenige Tage vor Annas Geburt schließen am 14. August 1865 Preußen und das Kaisertum Österreich den Vertrag von Gastein. Darin regeln die Siegermächte des 1864 geführten Deutsch-Dänischen Krieges nach längerem Streit, wie sie künftig weiter mit den von ihnen gemeinsam eroberten Herzogtümern Schleswig, Holstein und Lauenburg verfahren wollen. Der Vertrag sieht vor, dass Schleswig künftig von Preußen und Holstein von Österreich verwaltet wird. Gegen eine Zahlung von 2,5 Millionen Dänische Taler verzichtet Österreich zudem auf alle Rechte an Lauenburg und gestattet es Preußen, zwei durch Holstein verlaufende Heeresstraßen zu nutzen sowie einen Kanal und eine Telegrafenleitung zu bauen. Die Einigkeit ist allerdings nur von kurzer Dauer. Erneute Differenzen münden im Juni 1866 in den Preußisch-Österreichischen Krieg, der zwei Monate später Preußen als Sieger sieht und das Ende des Deutschen Bundes besiegelt.
Das Großherzogtum Oldenburg, zu dem Annas Geburtsort Nuttel gehört, steht in dem Konflikt auf Seiten Preußens. Dadurch bewahrt es seine Eigenständigkeit, während das benachbarte, mit Österreich verbündete Königreich Hannover zur preußischen Provinz wird. Beide Regionen finden sich bald darauf im Norddeutschen Bund und nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges Anfang 1871 im Deutschen Reich wieder.
Turbulente Zeiten also, in denen Anna ihre ersten Lebensjahre verbringt. Wie es ihr dabei konkret ergeht, welche Schule sie besucht und auf welchem Hof oder in welchem Haushalt sie in den ersten Jahren nach Konfirmation und Schulabschluss ihr Geld verdient, liegt heute ebenso im Dunkeln wie der genaue Standort ihres Elternhauses. Bekannt ist nur, dass ihr als Heuermann arbeitender Vater in Neerstedt geboren ist, während Mutter Anna Marie aus Nuttel stammt.
Ihren älteren Halbbruder Diedrich lernt Anna nie kennen, er ist bereits im Oktober 1855 als Säugling verstorben, zwei Monate nach der ersten Ehefrau des Vaters. Auch zwei Brüder aus der 1860 geschlossenen Ehe ihrer Eltern sterben früh: Johann Diedrich 1884 und Hinrich Friedrich 1898, beide im Alter von 24 Jahren. Annas jüngere Schwester Trinchen Gesine heiratet 1890 Hinrich Pape aus Dingstede, die ältere Schwester Gesine Margarete 1896 den aus Melchiorshausen stammenden Heuermann Gerd Möhlmann. Zu diesem Zeitpunkt leben bereits beide Elternteile nicht mehr.
Anna selbst heiratet im Mai 1901 Gerhard Wieting aus Hurrel. Wie diese Verbindung zustande kommt, lässt sich mangels Zeitzeugen ebenfalls nicht mehr rekonstruieren. Gerhard ist Witwer und hat aus seiner ersten Ehe mit Beta Brandt drei Kinder im Alter von sieben, fünf und drei Jahren: Hinrich, Theodor und Anna Mathilde. Letztere lebt bis zu ihrem Tod im Oktober 1904 allem Anschein nach auf dem Hof von Gerhards Eltern in Steinkimmen (heute: Lutz Wieting), während Gerhard und Anna nach der Hochzeit gemeinsam den ursprünglich Betas Eltern gehörenden Wieting-Hof an der Bremer Straße (heute: Edo und Klaus-Peter Wieting) bewirtschaften.
Als Anna im Frühjahr 1902 mit dem ersten Sohn Heinrich schwanger ist, sterben in Dingstede kurz hintereinander Schwester Trinchen Gesine und ihre jüngsten Kinder Johanne und Johann – sehr wahrscheinlich an Tuberkulose. Wenn nicht schon im Jahr zuvor, so lernen sich Trinchen Gesines älteste, damals elfjährige Tochter Katharine und Annas Stiefsohn Hinrich spätestens in jenen Wochen und Monaten kennen. Beide werden kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 ein Paar, als Katharine in direkter Nachbarschaft des Wieting-Hofes auf dem Betrieb von Johann Diedrich Pflug (heute: Inge Pflug) arbeitet.
Ehemann Gerhard, von dem Anna in der Zwischenzeit mit Martha (September 1903), Diedrich (September 1904) und Georg (Juni 1907) drei weitere Kinder bekommen hat, ist 1914 mit 46 Jahren glücklicherweise schon zu alt, um noch zur Armee eingezogen zu werden. Annas Stiefsöhne Hinrich und Theodor hingegen müssen an die Front und erleben dort sehr wahrscheinlich alle Grausamkeiten des Grabenkrieges. Theodor wird bei einer der letzten deutschen Offensiven im Frühjahr 1918 schwer verwundet und stirbt vier Monate später in einem Feldlazarett in der Nähe von Erlangen. Hinrich wiederum, seit Anfang 1917 mit Annas Nichte Katharine verheiratet und bereits seit Juni 1915 Vater des gemeinsamen Sohnes Georg, kehrt Ende 1918 unversehrt nach Hurrel zurück.
Angesichts von fünf Kindern im arbeitsfähigen Alter herrscht auf dem Wieting-Hof in den ersten Nachkriegsjahren kein Mangel an zupackenden Händen. Gleichwohl bleiben die Zeiten schwierig – folgen doch der Mitte 1923 ihren Höhepunkt ansteuernden Hyperinflation schon bald eine schwere Strukturkrise der Landwirtschaft und ab Herbst 1929 die in den USA ihren Anfang nehmende Weltwirtschaftskrise. Als letztere Mitte 1930 auf Deutschland übergreift, leben in Annas und Gerhards Haushalt nur noch der als Hoferbe vorgesehene jüngste Sohn Georg sowie Tochter Martha mit ihrer im April 1929 unehelich geborenen Tochter Inge. Heinrich arbeitet – vermutlich bereits im rund 70 Kilometer nördlich gelegenen Sengwarden – als Lehrer, Diedrich ist zu seiner Ehefrau Hanna Wellmann nach Ocholt gezogen und Hinrich hat mit Katharine an der Hurreler Straße einen eigenen Hof gegründet (heute: Wilfried und Dennis Wieting).
Annas letzte Lebensjahre sind bestimmt von Krankheit, möglicherweise verschlimmert durch ärztliches Unvermögen oder Überschätzung. Als sich in ihrem Nacken ein Tumor bildet, gehen die Meinungen über die richtige Behandlung den Erzählungen von Enkelin Inge zufolge auseinander. Traditionell arbeitende Mediziner raten zu einer sofortigen Operation. Der Huder Heilpraktiker Hermann Grüttemeier indes hält davon nichts und warnt vor den möglichen Folgen eines solchen Eingriffs. Die dann auch prompt eintreten: Als Anna aus dem Krankenhaus entlassen wird, leidet sie unter einer rätselhaften Schüttellähmung, die sie bis zu ihrem Tod an den Lehnstuhl fesselt. Anna stirbt am 24. August 1932, eine Woche nach ihrem 67. Geburtstag. Beerdigt ist sie drei Tage später in Hude auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche.