Alma Marie Drieling wird am 28. Juli 1892 als siebtes Kind von Gerhard Wragge und Anna Gesine Wragge in Hude geboren. Sie ist die jüngere Schwester von Georg Wragge, Heinrich August Wragge, Johann Bernhard Wragge, Adele Gesine Wragge, Bertha Vogt und Johann Gerhard Wragge und die ältere Schwester von Frieda Kaiser, Gustav Wragge, Hermann Gerhard Wragge und Adele Gesine Wragge.
Im Juli 1892 nimmt die Bayerische Akademie der Wissenschaften in München zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Frau als Mitglied auf: Therese Charlotte Marianne Auguste von Bayern, Tochter des Prinzregenten von Bayern, Luitpold. Die Kusine Ludwigs II. und Schwester des späteren bayerischen Königs Ludwig III. hat sich ihre durch Akademie-Präsident Max von Pettenkofer vorgeschlagene Ehrung durch ihre weltweiten Forschungsreisen und zahlreiche naturwissenschaftliche Veröffentlichungen verdient.
Schon als Jugendliche setzt Therese durch, dass sie von Professoren des Polytechnikums Privatunterricht in Chemie, Physik und Mineralogie erhält. Daneben lernt sie elf Sprachen, von Russisch und Schwedisch bis zu Holländisch, Neugriechisch und Tschechisch. Ebenfalls weitgehend im Selbststudium bildet sie sich zur Zoologin und Botanikerin aus und unternimmt 1871 – damals ist sie 21 Jahre alt – ihre erste Bildungsreise nach Griechenland und Nordafrika. Später reist sie unter anderem nach Kolumbien, Ecuador, Peru und Chile und bringt die ersten von über 2.500 Objekten aus nord- und südamerikanischen Indianerkulturen nach Bayern, die später ihre Sammlung zieren.
Der Mitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften folgt fünf Jahre später die Ehrendoktorwürde der Universität München. Beides gilt zur damaligen Zeit durchaus als Politikum. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts ist es Frauen im Deutschen Reich schließlich noch verboten, an einer Universität zu studieren, und die Ansicht des prominenten Münchner Anatomie-Professors Theodor von Bischoff, dass „dem weiblichen Geschlechte nach göttlicher und natürlicher Anordnung die Befähigung zur Ausübung der Wissenschaften und vor allem der Naturwissenschaften fehle“, ist weit verbreitet.
Letzteres gilt mit Sicherheit auch für das in Bildungsfragen nicht übermäßig fortschrittliche Großherzogtum Oldenburg, zu dem Almas Wohnort Hude gehört. Dort betreiben Almas Eltern seit 1886 die Gastwirtschaft „Auf der Burg“ und darüber hinaus einen angeschlossenen Hof mit rund 7 Hektar Landbesitz. In dessen Bewirtschaftung dürften Alma und ihre sieben überlebenden Geschwister – die ältere Schwester Adele Gesine stirbt 1889 kurz vor ihrem zweiten Geburtstag, die beiden jüngsten Geschwister 1898 und 1901 jeweils im Säuglingsalter – von frühen Kindesbeinen an eingebunden sein. Ohne auch nur einen Gedanken an ein etwaiges späteres Studium zu verlieren, besucht Alma deshalb ab 1899 die von ihrem Elternhaus nur rund 600 Meter Luftlinie entfernt liegende Volksschule.
Nach Schulabschluss und Konfirmation arbeitet Alma zunächst weiter im elterlichen Betrieb mit. Gleiches gilt für die Zeit des Ersten Weltkriegs, der in der Familie mutmaßlich keine Opfer fordert. Zwar melden die amtlichen Verlustlisten Almas jüngsten Bruder Gustav im Sommer 1917 kurzzeitig als verschollen, er taucht jedoch später in einem Kriegsgefangenenlager wieder auf.
Wahrscheinlich erst nach Kriegsende im November 1918 lernt Alma ihren künftigen Ehemann Johann Drieling aus Hekelermoor kennen. Am Ende muss es freilich mit der am 8. April geschlossenen Hochzeit recht schnell gehen, denn schon am 15. Juli kommt der gemeinsame Sohn Herbert zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt leben Alma und Johann bereits auf einem kleinen Pachthof an der Hurreler Straße in Vielstedt (heute: Klaus Boehnke). Dort bringt Alma noch fünf weitere Kinder zur Welt: Gustav (Januar 1923), Heino (April 1925), Anita (Januar 1927), Bertha (März 1928) und Hans (November 1930). Während Alma sich um die Kinder kümmert und die zum Hof gehörenden Tiere versorgt, pendelt Johann regelmäßig nach Delmenhorst und arbeitet dort in der 1910 gegründeten Margarinefabrik.
Kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 wechselt Johann zur Ziegelei nach Munderloh. Parallel dazu zieht die Familie in ein zum Hof von Heinrich Sparke gehörendes Heuerhaus in Hurrel (heute: Elfriede Sparke). Dort wird Alma ein weiteres Mal schwanger, die im April 1936 geborene dritte Tochter hört auf den Namen Gisela.
Der im September 1939 ausbrechende Zweite Weltkrieg verlangt Alma einiges ab. Nach und nach werden ihre drei ältesten Söhne zum Kriegsdienst eingezogen. Im Frühjahr 1944 erhält Alma dann die Nachricht, dass mindestens einer von ihnen nicht zurückkehren wird: Gustav ist in der Nähe der nordrussischen Stadt Pleskow gefallen. Kurz vor Kriegsende im Mai 1945 folgt mit der Vermisstenmeldung für Heino der nächste Schock. Almas viele Jahre lang gehegte Hoffnung, ähnlich wie eine Generation zuvor von ihrem Bruder irgendwann ein Lebenszeichen Heinos aus der Kriegsgefangenschaft zu erhalten, erfüllt sich nicht.
Der Verlustschmerz begleitet Alma für den Rest ihres Lebens – das dessen ungeachtet aber schon bald nach Kriegsende auch wieder erfreulichere Ereignisse für sie bereithält. Zum Beispiel die Hochzeiten ihrer Töchter Bertha und Anita mit Herbert Paradies (Juni 1947) und Fritz Kähler (Juli 1948). Etwas mehr als ein halbes Jahr nach Anitas Hochzeit setzt es dann jedoch einen neuen Schicksalsschlag: Das zu diesem Zeitpunkt nur noch von Alma, Johann und Gisela bewohnte Heuerhaus in Hurrel brennt bis auf die Grundmauern nieder, alle drei finden daraufhin Aufnahme auf dem Hof von Almas Schwiegersohn Herbert Paradies in Tweelbäke.
Bis auf eine kurze Unterbrechung – zwischenzeitlich mietet sie mit Johann eine Wohnung in Neuenwege – verbringt Alma die folgenden Jahre auf dem Paradies-Hof am Alten Damm. Nachdem sie dort im Juli 1967 bei einigermaßen zufriedenstellender Gesundheit außer mit den Kindern und Schwiegerkindern mit insgesamt 16 Enkeln ihren 75. Geburtstag feiern kann, macht ihr danach eine sich rasch verschlimmernde Diabetes-Erkrankung mehr und mehr zu schaffen. Sie stirbt am 28. Juli 1970, dem Tag ihres 78. Geburtstages, und wird sechs Tage später auf dem Alten Osternburger Friedhof in Oldenburg beerdigt.