Heinrich Brinkmann wird am 24. April 1924 als drittes Kind von Friedrich Brinkmann und Adele Brinkmann auf dem Hof seines Großonkels Hinrich Brinkmann (heute: Uwe und Inge Ramke) in Hurrel geboren. Er ist der jüngere Bruder von Klara Stolle und Käte Köster und der ältere Bruder von Adolf Brinkmann.
Am Tag vor Heinrichs Geburt eröffnet Großbritanniens König George V. im eigens für diesen Zweck erbauten Wembley-Stadion in London die British Empire Exhibition. Auf der größten Ausstellung, die die Welt bis dahin gesehen hat, präsentieren sich mit Ausnahme von Gambia und Gibraltar auf einer Fläche von rund 90 Hektar sämtliche 58 Länder, die dem Britischen Weltreich angehören. Erklärtes Ziel der Veranstalter ist es, die Verbindungen zwischen dem Mutterland und den Kolonien zu festigen und „ein Treffen aller Untertanen der britischen Fahne auf gemeinsamem Grund und Boden zum gegenseitigen Kennenlernen“ zu ermöglichen.
Im bis auf den letzten Platz gefüllten Stadion verfolgen mehr als 100.000 Zuschauer die Eröffnungszeremonie. Darüber hinaus überträgt die 1922 gegründete Rundfunkanstalt BBC erstmals eine königliche Ansprache live im Radio. Millionen Briten, die meisten von ihnen in öffentlichen Parks oder in Kaufhäusern zusammengekommen, hören somit erstmals die Stimme ihres Monarchen. Ein Ritual, das sich in den folgenden Jahren auch noch zu anderen Anlässen wiederholen wird und das außer George V. auch andere Mitglieder der Königsfamilie mit einbezieht. Am 31. Oktober 1925 etwa ist es an Georges zweitältestem Sohn Albert, die Rede zur Schlussfeier der British Empire Exhibition zu halten – eine Aufgabe, die den seit seiner Kindheit stotternden Prinzen heillos überfordert. Diese Szene und wie Albert sein Handicap in den folgenden Jahren mit Hilfe des Sprachtherapeuten Lionel Logue überwindet, hat der britische Regisseur Tom Hooper 2010 in seinem mit vier Oscars ausgezeichneten Film „The King’s Speech“ meisterhaft in Szene gesetzt.
Wie in Großbritannien und in anderen Teilen der Welt entwickelt sich der Rundfunk ab Mitte der 20er Jahre auch im Deutschen Reich relativ rasch zum Massenmedium. In der Politik gewinnt er jedoch erst Anfang der 30er Jahre spürbar an Bedeutung – mit der regelmäßig ausgestrahlten Reichssendung, in der unter anderem Reichspräsident Paul von Hindenburg im März 1932 öffentlichkeitswirksam seine erneute Kandidatur für das höchste Staatsamt ankündigt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 verkommt der Rundfunk dann zum reinen Propaganda-Instrument.
Zu diesem Zeitpunkt lebt Heinrichs Familie bereits seit mehr als vier Jahren auf dem Hof seines Großvaters Bernhard Wiedau an der Pirschstraße (heute: Heinz und Alke Brinkmann), den Friedrich und Adele Brinkmann später einmal übernehmen sollen. Zu Heinrichs in etwa gleichaltrigen Mitschülern in der Volksschule Hurrel, für die der weitere Lebensweg mehr oder weniger direkt von der Schulbank auf die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs führt, gehören unter anderem Gustav Drieling, Heino Drieling, Heino Pape, Heino Rüdebusch, Bernhard Schwarting, Heino Schwarting, Werner Stöver und Heino Wieting. Bis auf Heinrich kehrt keiner der Genannten zurück.
Wie die meisten seiner Schulkameraden verschlägt es Heinrich an die Ostfront. Wohin genau, ist in der Familie nicht mehr bekannt – ebenso wenig, wo und unter welchen Umständen er in russische Gefangenschaft gerät. Von dieser fast vierjährigen, den Strapazen des Krieges folgenden Leidenszeit zeugt seither eine breite Narbe auf seiner Nase, die ihm ein Mitglied der Wachmannschaft mit einem Säbelhieb zufügt. Es ist eine der wenigen Erlebnisse in Russland, über die Heinrich nach seiner Entlassung 1949 Details zu entlocken sind.
Heinrichs Heimkehr nach Hurrel ist überschattet vom frühen Tod seines Vaters: Friedrich Brinkmann ist im Januar 1948 im Alter von nur 54 Jahren an einem Hirntumor gestorben. Designierter Erbe des mit einer Betriebsgröße von 35 Hektar für damalige Verhältnisse recht großen Hofes ist Heinrichs Bruder Adolf. Ihm steht Heinrich bei der Bewirtschaftung zunächst ebenso zur Seite wie Mutter Adele und der zu diesem Zeitpunkt bereits über 90 Jahre alte Großvater Bernhard Wiedau.
Die durch das Jüngstenrecht in der Gemeinde Hude vorgegebene Erbfolge auf dem Brinkmann-Hof bereitet Heinrich keinen Kummer – im Gegenteil, er kann sich durchaus eine berufliche Laufbahn außerhalb der Landwirtschaft vorstellen und arbeitet zunächst als Fahrer für den Huder Sandgruben-Besitzer Johann Poppe. Bald darauf wechselt er in gleicher Funktion zum Holzhändler Hermann Heinemann und wiederum etwas später zur Raiffeisen-Warengenossenschaft Hude.
Sein privates Glück findet Heinrich auf einem der damals regelmäßig abgehaltenen Tanzabende in der Gaststätte von Otto Mehrings. Dort lernt er Katherine Timmermann kennen, deren Eltern Johann und Anna Timmermann ebenfalls aus Hurrel stammen. Katherine wohnt mit ihrer Mutter und der aus Ostpreußen geflüchteten Familie von Gustav Schinkewitz in einem von der Gemeinde gemieteten Haus am Postweg in Vielstedt, in unmittelbarer Nähe des späteren Huder Pferdehofs. Dort zieht Heinrich nach der am 14. September 1953 gefeierten Hochzeit ein.
Die Wohnverhältnisse sind, wie in den Nachkriegsjahren üblich, beengt – erst recht, als im Oktober 1955 Tochter Anke zur Welt kommt. Kurz darauf zieht jedoch Familie Schinkewitz aus, und Heinrich packt die Gelegenheit am Schopf, das bislang nur gemietete Haus zu kaufen. In den 60er Jahren nutzt er sein handwerkliches Geschick für diverse Umbauarbeiten. So schafft er nach und nach aus Diele und Schweinestall zusätzlichen Wohnraum.
Beruflich steht 1965 noch einmal eine Veränderung an: Heinrich wechselt von der Huder Genossenschaft zur Ziegelei Friedrich Knabe in Kirchkimmen. Dort arbeitet er insgesamt 17 Jahre lang und bildet sich zwischenzeitlich zum Brennmeister weiter. Anfang 1983 ist allerdings Schluss: Die Bandscheiben spielen nicht mehr mit, Heinrich geht im Alter von 58 Jahren in den Ruhestand. Seinen ehemaligen Kollegen bleibt er jedoch noch lange über diesen Einschnitt hinaus verbunden – durch regelmäßige Treffen zu Geburtstagen und anderen Anlässen, an denen auch die jeweiligen Ehefrauen teilnehmen.
Soweit es seine gesundheitlichen Einschränkungen erlauben, betätigt sich Heinrich auch in den folgenden Jahren am liebsten handwerklich. So ist er ein wahrer Meister darin, aus nicht mehr benötigten Holzabfällen Weihnachts-Sterne und anderes dekoratives Material herzustellen. Mit fortschreitendem Alter bereitet ihm jedoch neben den Bandscheiben auch das Herz Probleme. Letztlich kostet ihn diese Herzschwäche das Leben: Heinrich stirbt – nach kurzem Krankenhaus-Aufenthalt – am 10. August 2012 und wird wenige Tage darauf auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude beerdigt.