Minna Schmidt – Biographie

Minna Friederike Schmidt wird am 15. Juli 1910 als fünftes Kind von Johann Hinrich Gode und Annchen Gesine Gode auf dem elterlichen Hof in Altmoorhausen (heute: Gernot und Marina Gode) geboren. Sie ist die jüngere Schwester von Klara Denker, Heinrich Gode, Johann Gode und Karl Gode und die ältere Schwester von Gustav Gode. Letzterer stirbt allerdings bereits im April 1914 kurz vor seinem zweiten Geburtstag.

Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 gerät die Ordnung in Minnas Leben früh durcheinander: Ihr Vater Johann wird zur Kaiserlichen Armee eingezogen und fällt Ende August 1915 an der Ostfront in Russland. Auch Minnas erste Jahre in der Volksschule Altmoorhausen sind durch direkte Folgen dieser Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts wie den Mangel an Lebensmitteln, Brennmaterial und letztlich auch an Lehrern geprägt.

Nach dem Schulabschluss arbeitet Minna für einige Jahre bei einem Kolonialwarenhändler in Petersfehn – eine Position, die vermutlich ihre dort lebende Tante Gesine Garms vermittelt hat. In Petersfehn lernt Minna ihren späteren Mann Diedrich Schmidt kennen, einen in der Moorsiedlung aufgewachsenen Zimmermann. Ob beide in der Folge bewusst die Entscheidung treffen, in die Nähe von Minnas Heimatdorf zurückzukehren oder ob sich dieser Umstand eher zufällig ergibt, ist in der Familie nicht mehr bekannt. Auf jeden Fall wechselt Diedrich Ende der 20er Jahre als Geselle zum Altmoorhauser Zimmermeister Heinrich Mittwollen, während Minna in Holle beim Bauern Heinrich Bümmerstädt in Stellung geht.

Die Chance, einen gemeinsamen Hausstand zu gründen, ergibt sich 1930: Diedrich – mittlerweile selbst Zimmermeister – kauft in Hurrel ein kleines Grundstück und beginnt dort mit dem Bau eines Wohnhauses mit angeschlossener Werkstatt (heute: Andreas Linke und Bettina Heinemann-Linke). Als es Im Dezember 1931 fertiggestellt ist, heiraten beide und ziehen ein. Zwölf Monate später, am 11. Dezember 1932, kommt Tochter Inge zur Welt.

In den folgenden Jahren kümmert sich Minna nicht nur um den Haushalt und die Kindererziehung, sondern auch um alles Organisatorische in Diedrichs Zimmerei, die seit dem Bezug der neuen Werkstatt auch Bestattungen anbietet. Ein Geschäftsfeld, das der jungen Familie ein zwar nach wie vor sehr bescheidenes, aber dafür einigermaßen konstantes Einkommen ermöglicht. Begehrt sind Diedrichs Fähigkeiten allerdings auch an anderer Stelle: Als die Nationalsozialisten im Juni 1935 den Reichsarbeitsdienst zur gesetzlich verankerten Pflicht machen, werden Zimmerleute wie er bevorzugt in kriegsvorbereitenden Betrieben wie der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven eingesetzt. Dort tritt Diedrich kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs seinen Dienst an, dem bald darauf die Einberufung zur Marine folgt.

Für Minna folgen bange und finanziell weiter angespannte Jahre, in denen die Familie mit der Geburt von Sohn Egon im Mai 1941 noch einmal Zuwachs erhält. Zu den seltenen Abwechslungen jener dunklen Zeit gehört für sie 1943 eine Reise nach Sassnitz auf der Insel Rügen, wo Diedrich auf einem Hilfskreuzer stationiert ist. Das Kriegsende erlebt Minna in Hurrel, wo sie mit den Kindern bis zum Sommer 1946 auf Diedrichs Rückkehr aus dänischer Kriegsgefangenschaft warten muss.

Die räumliche Situation im Haus bleibt in der Nachkriegszeit sehr beengt. Nachdem Minna das Obergeschoss bereits während des Krieges an Willibald und Erna Rudolph vermietet hatte, folgen später Mitglieder der Vertriebenen-Familien Hanisch und Zech und schließlich Hans und Lily Witte mit den Kindern Horst und Helga. Als Ende der 50er Jahre sämtliche Mieter und auch Tochter Inge und Sohn Egon ausgezogen sind, nehmen Diedrich und Minna kurzfristig die Familie ihres Nachbarn Hinrich Wieting auf, dessen Hof im Juni 1959 abbrennt. Erst ab Anfang 1960 können beide die oberen Räume dauerhaft für sich selbst nutzen.

Auch in den 60er und 70er Jahren bleibt Minna voll im gemeinschaftlichen Betrieb eingespannt, den Diedrich erst kurz vor der Goldenen Hochzeit im Dezember 1981 Stück für Stück herunterfährt. Bis zur Diamantenen Hochzeit zehn Jahre später verbringt sie viel Zeit im eigenen Garten und mit der bis 1991 auf fünf Enkel und vier Ur-Enkel angewachsenen Familie. Als sie Anfang 1992 wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus muss, zieht sie anschließend mit Dietrich zu Tochter Inge und Schwiegersohn Fritz Müller nach Kirchhatten, kommt danach aber nicht wieder recht auf die Beine: Nach einem kurz zuvor erlittenen Schlaganfall stirbt sie am 5. Mai 1993 und wird fünf Tage später auf dem Neuen Friedhof in Kirchhatten beerdigt.