Martin Hermann Schwarting – Biographie

Martin Hermann Schwarting wird am 12. Dezember 1859 als fünftes Kind von Christian Carl Schwarting und Anna Catharina Schwarting auf dem elterlichen Hof in Bergedorf-Ohe geboren. Er ist der jüngere Bruder von Johann Hermann Schwarting, Heinrich Schwarting und Georg Wilhelm Schwarting und der ältere Bruder von Johann Hinrich Schwarting. Zwei weitere Brüder – beide bleiben namenlos – kommen 1854 und 1863 tot zur Welt oder sterben unmittelbar nach der Geburt. Darüber hinaus hat Martin mit Johann Schwarting, Hinrich Schwarting, Christian Carl Schwarting Jr. und Anna Catharine Elise Schwarting noch vier Halbgeschwister aus der zweiten Ehe seines Vaters mit Margarete Siemer.

Vier Tage nach Martins Geburt stirbt in Berlin im Alter von 73 Jahren Wilhelm Grimm, der jüngere Bruder von Jacob Grimm. Als Gebrüder Grimm sind beide bis heute bekannt als Begründer des Deutschen Wörterbuchs – und als überaus fleißige Sammler volkstümlicher Märchen: Ihre zwischen 1812 und 1858 herausgegebenen „Kinder- und Hausmärchen“ gehören noch immer zu den meistgelesenen, meistverkauften und meistübersetzten deutschsprachigen Texten der Welt.

Mit den „Bremer Stadtmusikanten“ spielt eines der berühmtesten der von Wilhelm und Jacob Grimm gesammelten Märchen in Martins unmittelbarer Nähe. Ob er die Geschichte von den vier im Alter fortgelaufenen Haustieren, die in Bremen Stadtmusikanten werden wollen, dort aber nie ankommen, weil sie auf dem Weg eine Räuberbande in die Flucht schlagen und fortan glücklich in deren Haus leben, in seiner Kindheit kennenlernt, ist nicht überliefert. Auch sonst lässt sich mangels Zeitzeugen recht wenig über diesen Lebensabschnitt sagen. Martins Mutter stirbt im August 1863 bei der Geburt des jüngsten, namenlos gebliebenen Sohnes. Zu diesem Zeitpunkt leben von den bis dahin geborenen Geschwistern nur noch die beiden älteren Brüder Heinrich und Georg Wilhelm. Vater Christian Carl heiratet im September 1864 zum zweiten Mal. Noch bevor Martin eingeschult wird, wächst der Schwarting-Haushalt um die beiden ältesten Halbbrüder. Der ältere von beiden stirbt allerdings bereits im Mai 1868, zwei Monate nach der Geburt des dritten Halbbruders.

Nahezu parallel zum Ende seiner Schulzeit stirbt im April 1874 auch Martins Vater. Als Ursache nennt das Ganderkeseer Kirchenbuch Auszehrung. Stiefmutter Margarete, nun ebenfalls allein mit drei minderjährigen Kindern im Alter von acht bis drei Jahren, heiratet daraufhin im September 1875 Johann Hinrich Diedrich von Seggern. Ob Martin zu diesem Zeitpunkt noch auf dem elterlichen Hof lebt, bleibt im Dunkeln – ebenso, wann er nach Hurrel übersiedelt. Verwandtschaftliche Beziehungen ins Dorf hat er über seine Mutter: Anna Catharina Schwarting ist 1832 in Hurrel geboren, ihr Halbbruder Gerhard Schweers bewirtschaftet dort einen zuvor vom gemeinsamen Vater Johann Hinrich Schweers geführten Hof (heute: Gerold und Annegret Sparke).

Anna Catharinas Mutter Anna Essmann ist wiederum seit 1833 mit Hermann Meyer verheiratet, der 1848 an der Pirschstraße einen bis dahin den Erben Johann Friedrich Lönneckers gehörenden Hof gekauft hat (heute: Jörg und Monika Wittkopf). Gut möglich, dass Martin schon vor dem Tod des Vaters dort unterkommt und Großmutter Anna und ihrem bereits 1800 geborenen Ehemann bei der Bewirtschaftung hilft. Da Anna und Hermann keine gemeinsamen Kinder haben, wird Martin per Testament zum Grunderben bestimmt. Ein Erbe, das er nach Hermanns Tod im Januar 1884 antritt.

Am 23. April 1891 heiratet Martin Anna Adeline Wiedau vom benachbarten Wiedau-Hof (heute: Heinz und Alke Brinkmann). Die Ehe bringt mit Anna Catharine (Juli 1891), Mathilde Wilhelmine (Mai 1893), Henni (September 1894) und Carl (April 1896) vier Kinder hervor, ist aber von relativ kurzer Dauer: Im Dezember 1903 stirbt Anna Adeline an Tuberkulose. Martin befindet sich nun in einer ähnlichen Situation wie eine Generation zuvor sein Vater und seine Stiefmutter, heiratet aber nicht erneut. Vermutlich mit Hilfe der ältesten Tochter Anna Catharine zieht er die anderen Kinder groß, bevor er am 14. Januar 1913 im Pius-Hospital in Oldenburg an einer Lungenentzündung stirbt. Beerdigt ist er vier Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.