Johann Timmermann – Biographie

Johann Hinrich Timmermann wird am 20. Januar 1900 als viertes Kind von Diedrich Timmermann und Katharine Timmermann in Hurrel geboren. Er ist der jüngere Bruder von Martha von Kempen, Adolf Timmermann und Heinrich Timmermann und der ältere Bruder von Bertha von Kempen, Karl Diedrich Timmermann, Karl Timmermann, Hanna Hagestedt, Georg Timmermann und Friedel Timmermann.

Johann ist der erste Hurreler Neugeborene des 20. Jahrhunderts – auch wenn dieser Zeitabschnitt rein rechnerisch erst 1901 beginnt. Der Streit um die richtige Zuordnung tobt im Deutschen Reich fast das ganze Jahr 1899 hindurch und wird erst am 14. Dezember mit einer behördlichen Anordnung entschieden: Der von Reichskanzler Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst geführte Bundesrat legt den 1. Januar 1900 offiziell als ersten Tag des neuen Jahrhunderts fest.

Auf welchem Hurreler Hof Johann fünf Wochen später seinen ersten Schrei tut, ist nicht überliefert. Seine Eltern haben im Dorf keinen Grundbesitz, möglicherweise leben sie mit den älteren Geschwistern in einem der damals noch zahlreich vorhandenen Heuerhäuser. Schon bald nach der Geburt des jüngeren Bruders Karl im November 1906 zieht die Familie nach Nordenholz, was für Johann bereits kurz nach der Einschulung mit einem Schulwechsel verbunden ist.

In Nordenholz kommen Johanns drei jüngste Geschwisterkinder zur Welt. Eines davon – Georg – stirbt allerdings im August 1912 wenige Wochen nach seinem zweiten Geburtstag an Diphtherie. Der Verlust überschattet ein anderes, deutlich erfreulicheres Ereignis: Johanns Eltern haben mittlerweile genügend Geld zusammengespart, um sich am nordöstlichen Rand von Hurrel eine eigene Hofstelle (heute: Kerstin und Thomas Schwantje) kaufen zu können. Noch gegen Ende desselben Jahres kehrt die Familie nach Hurrel zurück.

Am 11. August 1914 gibt es auf dem Timmermann-Hof eine weitere Premiere: Johanns jüngster Bruder Friedel ist das erste Hurreler Kind, das nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs geboren wird. Anders als auf vielen Nachbarhöfen reißt dieses den weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts maßgeblich bestimmende Ereignis in Johanns Familie keine Lücken: Sein älterer Bruder Adolf wird zwar im Herbst 1916 und im Frühjahr 1918 den offiziellen Verlustlisten zufolge jeweils leicht verwundet, kehrt aber nach Kriegsende ebenso in die Heimat zurück wie der zweitälteste Bruder Heinrich. Sehr wahrscheinlich erlebt auch Johann, der im Januar 1917 ins wehrpflichtige Alter kommt, noch den mörderischen Front-Alltag hautnah mit. Näheres darüber ist in der Familie allerdings nicht mehr bekannt.

Auch die folgenden Jahre in Johanns Leben liegen heute weitgehend im Dunkeln. Gesichert ist allerdings der Tag seiner Hochzeit: Am 22. März 1929 heiratet er Anna Osterloh, die den größten Teil ihrer Kindheit bei ihrer Tante Amalie Lange in Hurrel verbracht hat und als Angestellte im Gasthof von Reinhard Asseln arbeitet. Im Februar 1930 wird Tochter Katherine geboren. Bald darauf schwappt die wenige Monate zuvor mit dem Zusammenbruch der New Yorker Börse begonnene Weltwirtschaftskrise nach Deutschland über. Für Johann, der mit Frau und Tochter weiter auf dem elterlichen Hof wohnt, keine leichte Zeit – zumal seine Mutter Katharine schwer erkrankt ist und sich in Oldenburg einer längeren therapeutischen Behandlung unterziehen muss.

Als seine Mutter 1931 wieder nach Hause zurückkehrt, mietet Johann mit Anna ein der Gemeinde Hude gehörendes Haus am Postweg in Vielstedt. Eine regelmäßige Arbeit zu finden ist noch immer schwierig, doch mit zum Teil saisonal befristeten Jobs auf der Ziegelei Knabe in Kirchkimmen und in den Wäldern der Huder Familie von Witzleben bringt er in den folgenden Jahren die Familie über die Runden.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 gehört Johann wie schon 25 Jahre zuvor nicht zu den Frontkämpfern der ersten Stunde: Vor 1913 Geborene erhalten zunächst nur vereinzelt einen Stellungsbefehl. Diese Praxis ändert sich jedoch bereits im Frühjahr 1940, und je länger der Krieg dauert, desto mehr Angehörige des Jahrgangs 1900 rücken nach. Als Johann im Spätsommer 1944 an die Reihe kommt, steht die Wehrmacht längst auf verlorenem Posten. Im Westen ist Paris befreit, im Osten erzielt die Rote Armee in mehreren Großoffensiven massive Geländegewinne und marschiert unaufhaltsam auf Schlesien und Ostpreußen zu.

Bei den erbittert geführten Kämpfen im Osten verliert schließlich auch Johann sein Leben. Unter welchen Umständen, ist bis heute ungeklärt. Als Angehöriger des Festungs-Infanterie-Bataillons 1436 fällt er Informationen des Suchdienstes des Roten Kreuzes zufolge irgendwann zwischen Mitte Januar und Anfang Februar 1945 bei Rückzugsgefechten aus dem Raum Praschnitz in Richtung Heiligenbeil, wahrscheinlich unmittelbar nach seinem Tod begraben von einem der in jenen verhängnisvollen Wochen bei Temperaturen von minus 20 Grad tobenden Schneestürme. Das in dieser Biographie genannte Datum 30. Januar 1945 ist dabei nicht gesichert und hat eher symbolischen Charakter – es markiert den vorläufigen Abschluss der sowjetischen Winteroffensive.