Johann Hinrich von Seggern – Biographie

Johann Hinrich von Seggern wird am 27. Januar 1876 als zweites Kind von Hinrich von Seggern und Anna von Seggern auf dem elterlichen Hof in Hurrel (heute: Christa und Erwin Haverkamp) geboren. Er ist der jüngere Bruder von Meta Ertel und der ältere Bruder von Annchen Sparke und Georg von Seggern.

Im Januar 1876 führt Bayern als letzter der 1871 dem neuen Kaiserreich beigetretenen deutschen Staaten die Mark als offizielles Zahlungsmittel ein. König Ludwig II. und seine Regierung hatten diesen Schritt so lange wie möglich hinausgezögert und immer wieder versucht, in Verhandlungen mit dem federführenden Preußen Sonderrechte für das eigene Territorium herauszuschlagen. Mit relativ geringem Erfolg: Außer dem auch den anderen Beitrittsstaaten zugestandenen Recht, auf allen Münzen von zwei Mark an aufwärts für die Rückseite landestypische Symbole zu nutzen ist nicht viel mehr Zählbares herausgesprungen als die Möglichkeit, den in Bayern häufig kursierenden Heller übergangsweise in das neue Geldsystem zu integrieren. Ein Heller entspricht fortan einem halben Pfennig. Kreuzer, Gulden und Taler hingegen haben ihre Schuldigkeit getan und werden von den Banken nach und nach aus dem Verkehr gezogen.

Unzufriedenheit herrscht jedoch nicht nur an der Staatsspitze. Auch im Volk gärt es, zumal die Umstellung schlecht organisiert ist. Es gibt nicht genügend Münzen und vor allem zu wenig Kleingeld. Deshalb besteht die Furcht, dass viele Kaufleute die Umstellung zu einer Preiserhöhung nutzen. Eine Furcht, die die Presse nur zu gerne aufgreift: „Die Bäcker und Metzger bis hinunter zum Kastanien-Brater, alle haben sich die Reichwährung zu nutzen gemacht, ja selbst der Verleger der Neuesten  Nachrichten erlangt für sein Käspapier eine erhöhte Abonnements- und Insertionsgebühr“, ereifert sich etwa die „Neue Volks-Zeitung“ am 12. Januar 1876.

Die Konkurrenz vom „Bayerischen Vaterland“ nennt das neue Geld in ihrer Ausgabe vom 31. Januar 1876 die „wohl teuerste Frucht des Reichsbaumes“. Der Verleger des letztgenannten Blattes, Johann Baptist Sigl, arbeitet sich ohnehin liebend gern an der von „Saupreußen“ dominierten Regierung im fernen Berlin ab: In seinen Augen ist Reichskanzler Otto von Bismarck nichts weiter als ein „preußischer Räuberhauptmann“ und einer der „blutigen Mörder von 1866“ – Äußerungen, die Sigl erst 1875 eine zehnmonatige Haftstrafe wegen Beleidigung eingebracht hatten.

Solch schrille Töne sind aus Johann Hinrichs Heimat, dem Preußen generell eher freundlich gesinnten Großherzogtum Oldenburg, nicht zu erwarten. Dort hat die Mark bereits 1873 ohne viel Aufheben den aus 30 Groschen bestehenden Taler abgelöst. Gleichwohl dürfte Johann Hinrich in seiner Kindheit und Jugend noch das eine oder andere Exemplar der zuvor geläufigen Groten und Schwaren in der Hand gehabt haben, bevor diese auch auf den Dörfern nach und nach aus dem Alltag der Menschen verschwinden.

Johann Hinrich wächst auf einem 1678 erstmals erwähnten Hof auf, in den sein gleichnamiger, 1873 verstorbener Großvater 1828 eingeheiratet ist. Ab dem Frühjahr 1882 besucht er die Volksschule im Nachbardorf Lintel, wo aus Hurrel neben seinen 1874 und 1878 geborenen Schwestern unter anderem Diedrich Albers, Annchen Barkemeyer, Georg Haverkamp, Hinrich Lüning, Hinrich Schweers, Gerhard Stolle, Bernhard Wilkens und Gesine Wilkens zu den in etwa gleichaltrigen Mitschülern gehören. Anfangs ist auch noch Johann Hinrichs Kusine Meta Katharine Stolle dabei, sie erliegt jedoch im Juli 1884 wie zuvor schon ihre Halbschwestern Johanne Gesine und Anna Gesine der im Dorf seit Jahren grassierenden Volksseuche Tuberkulose.

Ein Schicksal, das Johann Hinrichs 1883 geborenem Bruder Georg erspart bleibt. Somit ist klar, dass Letzterer eines Tages gemäß Jüngstenrecht den am Vossbarg gelegenen Hof der Eltern weiterführen wird. Ob Johann Hinrich angesichts dieser für ihn nicht unbedingt erbaulichen Perspektiven hin und wieder darüber sinniert, wie 1893 seine ehemalige Schulkameradin Anna Wilkens und vor ihr diverse andere Dorfbewohner nach Nordamerika auszuwandern, lässt sich aus heutiger Sicht nur vermuten. Indes, soweit kommt es nicht: Johann Hinrich stirbt am 28. Dezember 1895 in Hurrel, ohne dass das Kirchenbuch der Gemeinde Hude eine Todesursache nennt. Beerdigt ist er sechs Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.