Frieda Martens – Biographie

Frieda Bernhardine Martens wird am 18. August 1888 als zweites Kind von Carl Busch und Bertha Busch in Lintel geboren. Sie ist die jüngere Schwester von Emma Schmidt und die ältere Schwester von Adele Asseln, Adolf Busch, Hermine Meyer und Else Kornagel.

An ihren Geburtsort dürfte Frieda kaum bleibende Erinnerungen haben – bereits im Laufe des Jahres 1890 zieht die damals aus vier Personen bestehende Familie mit Sack und Pack ins Nachbardorf Hurrel um. Carl Busch hat dort von Mathilde und Hinrich Wachtendorf einen mitten im Ort gelegenen Bauernhof mit angeschlossener Bäckerei gekauft (heute: Hajo und Dagmar Mehrings). Dort wächst Frieda mit ihrer älteren Schwester und den im Dezember 1890 beziehungsweise im September 1893 geborenen Geschwistern Adele und Adolf auf. Als die dritte Schwester Hermine hinzukommt, ist Frieda bereits 13 Jahre alt, ihre jüngste Schwester Else kommt eine Woche vor Friedas 16. Geburtstag zur Welt.

Als Tochter eines Gastwirts mit angeschlossener Landwirtschaft wird Frieda sicher früh an die Mitarbeit im elterlichen Betrieb herangeführt, ohne dass dabei heutige Anforderungen an das Thema Jugendschutz eine sonderliche Rolle spielen. Auf der anderen Seite genießt Frieda aber ebenso wie ihre Geschwister in gewisser Weise eine privilegierte Kindheit: Die Eltern bauen in Hurrel schnell einen gewissen Status auf, besitzen das erste Telefon und auch das erste Fahrrad im Dorf. Vater Carl setzt zudem durch, dass Hurrel 1897 eine eigene Schule erhält. Ob Frieda es dadurch beim ersten Hurreler Schulleiter Georg Schelling leichter hat als andere, ist allerdings reine Spekulation – ebenso, mit wem sie als Schulmädchen ihre karge Freizeit verbringt. Vielleicht mit der zwei Monate jüngeren Nachbarstochter Gesine Rüdebusch, deren Mutter Anna ihrer Schwester Adele in Ermangelung einer ausgebildeten Hebamme auf die Welt geholfen hat?

Ob Frieda nach ihrem Schulabschluss wie die ältere Schwester Emma eine Ausbildung als Köchin absolviert oder irgendwo als Dienstmädchen in einem Haushalt in Stellung geht, ist nicht überliefert. Kurz nach ihrem 23. Geburtstag heiratet sie am 8. September 1911 Christian Friedrich Stalling aus Kirchhatten, der sich zwei Jahre zuvor mit einem Textil- und Bekleidungsgeschäft in seinem Heimatort selbstständig gemacht hat. Hierbei unterstützt Frieda ihn nach Kräften und kümmert sich darüber hinaus um die im Juli 1912 geborene Tochter Elfriede und den im Juli 1913 hinzugekommenen Sohn Robert.

Der im August 1914 ausbrechende Erste Weltkrieg reißt auch diese Familie auseinander. Christian Friedrich Stalling wird an die Ostfront abkommandiert, wo er am 20. Juni 1916 im rund 150 Kilometer südwestlich der weißrussischen Hauptstadt Minsk gelegenen Dorf Siniawka den Kämpfen mit der Armee des russischen Zaren Nikolaus II. zum Opfer fällt. Ob er seine drei Monate zuvor geborene Tochter Thea noch einmal zu Gesicht bekommen hat, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren.

Für Frieda sind die folgenden Jahre eine harte Zeit – die sie aber letztlich meistert. Sie hält das Geschäft am Laufen und heiratet am 23. März 1923 den ebenfalls aus Kirchhatten stammenden Kaufmann Heinrich Georg Martens. Künftig kaufen die Hatter ihre Bekleidung nicht mehr bei „Manufactur, Mode & Aussteuer Stalling“, sondern bei „H.G. Martens“. Nach dem frühen Tod ihres zweiten Ehemannes im Jahr 1939 ist Frieda allerdings ein weiteres Mal gefordert, den Betrieb aufrechtzuerhalten und durch einen verheerenden Weltkrieg zu führen. Unterstützung bekommt sie nach Kriegsende 1945 von ihrem Sohn Robert, der als Teilhaber einsteigt und für einen erneuten Namenswechsel sorgt. Im Februar 1948 wird Frieda durch die Geburt von Roberts Tochter Margret zum ersten und einzigen Mal Großmutter.

Auch im folgenden Jahrzehnt, das mit dem 50-jährigen Firmenjubiläum endet, ist das Modehaus Stalling in der Hatter Geschäftswelt eine feste Größe. Frieda hält sich zu dieser Zeit allerdings bereits weitgehend im Hintergrund und kocht beispielsweise regelmäßig für die Angestellten, die in der angeschlossenen Familienwohnung gemeinsam die Mittagspause verbringen. Daneben besucht Frieda regelmäßig ihre Schwestern Adele Asseln in Hurrel und Emma Schmidt in Aschhauserfeld. Sie stirbt nach längerer Krankheit am 31. Mai 1961 im Alter von 72 Jahren und wird drei Tage später auf dem Neuen Friedhof in Hatten beigesetzt.