Diedrich Georg Heinemann – Biographie

Diedrich Georg Heinemann wird am 10. September 1904 als fünftes Kind von Hermann Diedrich Heinemann und Anna Heinemann auf dem elterlichen Hof in Hurrel (heute: Ursula Schlake) geboren. Er ist der jüngere Bruder von Friedrich Heinemann, Johann Heinemann, Friedrich August Heinemann und Louise Christine Heinemann und der ältere Bruder von Henny Bosse.

Diedrich kommt auf den Tag genau 100 Jahre später als Karl Rudolf Brommy zur Welt, dem ersten Befehlshaber der 1849 gegründeten Reichsflotte. Während Diedrich in Hurrel seine ersten Atemzüge tut, gibt Kaiser Wilhelm II. auf dem vor der Elbmündung ankernden Artillerie-Schulschiff Mars Brommy zu Ehren ein Festmahl, zu dem alle höheren deutschen Marine-Offiziere geladen sind. Die Marine ist seit jeher das Lieblings-Spielzeug des Monarchen: Erst drei Monate zuvor hat er bei einem Staatsbesuch seines Onkels, des englischen Königs Edward VII., mit ihrer Leistungsfähigkeit geprahlt und diesen damit schwer verärgert. In den folgenden Jahren mündet der Aufbau der deutschen Hochseeflotte in ein Wettrüsten und schließlich 1914 in den Ersten Weltkrieg.

Von den dunklen, über Europa aufziehenden Wolken dürfte Diedrich in den ersten Lebensjahren wenig mitbekommen. Die Familie hat aber auch so Sorgen genug: Zwei der älteren Geschwister – das Zwillingskind Friedrich und Louise Christine – sterben noch vor Diedrichs Geburtstag. Im Januar 1908 stirbt auch sein Vater im Alter von nur 39 Jahren an einem Herzleiden. Fortan muss Mutter Anna die verbliebenen vier Kinder im Alter von anderthalb bis sieben Jahren allein großziehen.

Der Heinemann-Hof ist nach einem bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter mysteriösen Umständen zerstörten Hof in der Nähe der Ahnenstätte Hilligenloh Hurrels ältester Siedlungsplatz. Die dort seit 1428 lebenden Mitglieder der Familie Hurrelmann geben dem Dorf letztlich seinen Namen. Dementsprechend groß sind die dazugehörigen Ländereien. Wie lange Diedrichs Mutter sie als Witwe noch bewirtschaftet, lässt sich heute nicht mehr mit Gewissheit sagen. Belegt ist allerdings, dass Anna 1913 rund 200 Meter vom Stamm-Hof entfernt ein Altenteiler-Haus (heute: Gerd und Erika Heinemann) errichten lässt und dort mit den Kindern einzieht. Von diesem Zeitpunkt an bestreitet sie ihren Lebensunterhalt größtenteils aus Pachteinnahmen, gezahlt unter anderem von der 1924 aus Rastede zugezogenen Familie von Friedrich Stöver. Einige Hektar Land und etwas Vieh verbleiben jedoch beim Altenteiler-Haus, so dass es für Diedrich und seine Geschwister auch dort immer etwas zu tun gibt.

Als jüngster Sohn wird Diedrich einmal den Hof erben – und der Wille, über kurz oder lang die Regie auf dem gesamten Betrieb zu übernehmen, ist trotz der für die Landwirtschaft schwierigen Jahre in der Weimarer Republik durchaus vorhanden. Der richtige Zeitpunkt scheint gekommen, als Diedrich auf der Hochzeit seines Bruders Friedrich August mit Alma Hohlen aus Delfshausen deren Kusine Frieda Müller kennenlernt. Diedrich und Frieda heiraten im Dezember 1934, und als kurze Zeit später der Pachtvertrag mit Friedrich Stöver ausläuft, ziehen beide zurück auf den Stamm-Hof.

In den nächsten, durch den Wandel Deutschlands vom demokratischen Rechtsstaat zur Nazi-Diktatur und den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gekennzeichneten Jahren wird Diedrich Vater von fünf Kindern: Agnes (August 1935), Karla (März 1938), Edo (Dezember 1939), Gerd (September 1941) und Fred (April 1943). Für die Familie sind es schwierige Jahre, auch wenn Diedrich anders als sein nicht von der Front zurückgekehrter Bruder Johann bis zum Schluss von einer Einberufung verschont bleibt. Der Grund liegt in seiner sich stetig verschlechternden Gesundheit.

Nach Kriegsende machen Diedrich mehrere Magengeschwüre ein Weiterarbeiten in der Landwirtschaft unmöglich. Er übergibt seinen Betrieb an die zuvor auf dem Altenteiler-Hof wohnenden Pächter Heinrich und Sophie Wiechmann, woraufhin es zwischen den beiden Familien zu einem Wohnsitz-Tausch kommt. Obwohl dieser Schritt Diedrichs Alltag deutlich entschleunigt, bessert sich seine Gesundheit nicht. Im Gegenteil – am Ende der anhaltenden Beschwerden steht wie zwei Generationen zuvor bei seinem Großvater Johann Hinrich Heinemann die Diagnose Magenkrebs. Diedrich wird noch operiert, stirbt aber am 11. Februar 1955 im Alter von nur 50 Jahren. Beerdigt ist er sechs Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.