Catharine Wiedau – Biographie

Catharine Mathilde Wiedau wird am 23. Oktober 1868 als einziges Kind von Gerd Hinrich Vosteen und Anna Vosteen auf dem elterlichen Hof in Kirchkimmen (heute: Marco und Jacqueline Drieling) geboren.

Zu den wichtigsten politischen Ereignissen des Jahres 1868 gehört die spanische September-Revolution. Sie beginnt am 17. September mit einem Putsch von Admiral Juan Bautista Topete gegen die von Königin Isabella II. eingesetzte Regierung. Nur einen Tag später flieht Ministerpräsident Luis González Bravo ins Exil nach Frankreich, wohin ihm Isabella nach mehreren Niederlagen der ihr verbliebenen Truppen am 28. September folgt. Die sich anschließende, mehr als zwei Jahre lang andauernde Suche nach einem neuen Regenten bezieht nahezu alle Herrscherhäuser Europas ein und verändert am Ende auf Dauer die Landkarte des Kontinents.

Was die Sache so kompliziert macht, ist die sich stetig verschärfende Rivalität zwischen Frankreich und Preußen. Dass Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck 1866 mit dem siegreichen Krieg gegen Österreich und der Gründung des Norddeutschen Bundes dem Ziel einer deutschen Einigung ein gutes Stück weit näher gekommen ist, passt Frankreichs Kaiser Napoleon III. überhaupt nicht ins Konzept. Je schwächer und zersplitterter der östliche Nachbar, desto besser aus seiner Sicht – zumal Frankreich noch immer danach strebt, im Grenzgebiet den eigenen Herrschaftsbereich wie schon zu Zeiten Napoleon Bonapartes bis ans linke Rheinufer auszudehnen. Zudem vermutet Napoleon III. Preußen hinter den spanischen Unruhen, um damit den Einfluss des Königreiches in der Region zu vergrößern und Frankreich so gewissermaßen in die Zange zu nehmen. Ein nicht sonderlich stichhaltiger Verdacht, den Preußen in den folgenden Monaten aber auch durch nichts zu entkräften versucht.

In dieser Situation wirkt es wie ein Brandbeschleuniger, dass mit Leopold von Hohenzollern schon bald ein entfernter Verwandter von Preußens König Wilhelm I. als aussichtsreichster Kandidat auf den spanischen Thron gilt und nach anfänglichem Zögern seine Zusage gibt. Als die französische Regierung am 3. Juli 1870 davon erfährt, fordert sie ultimativ Leopolds Verzicht – der schließlich am 12. Juli erfolgt. Doch das reicht Frankreich nicht: Außenminister Antoine de Gramont verlangt von Wilhelm eine persönliche Entschuldigung an Napoleon III. sowie die Zusicherung, dass das Haus Hohenzollern für alle Zeiten seinen Verzicht auf die spanische Königswürde erklärt. Ein Ansinnen, das Wilhelm entschieden zurückweist. Diese von Bismarck umformulierte, im Ton noch einmal verschärfte Weigerung findet als Emser Depesche den Weg in die Presse und führt am 19. Juli 1870 zum Deutsch-Französischen Krieg. An dessen Ende stehen knapp sechs Monate später die Niederlage Frankreichs, die Gründung des Deutschen Reichs und die Ausrufung Wilhelms zum deutschen Kaiser.

Anders als links und rechts des Rheins tritt in Spanien auch in den folgenden Jahren keine Ruhe ein. Der im Dezember 1870 endlich gewählte, aus dem Hause Savoyen stammende König Amadeus I. dankt nach einem missglückten Attentatsversuch schon im Februar 1873 wieder ab. Mit Alfons XII. folgt im Dezember 1874 nach mehreren demokratischen Regierungen und einem erneuten Putsch ein Sohn Isabellas. Bevor dieser jedoch ab Februar 1876 seine Herrschaft festigen kann, muss er sich im Dritten Carlistenkrieg gegen den ebenfalls um den Thron kämpfenden Verwandten Carlos VII. behaupten.

Zu diesem Zeitpunkt besucht Catharine in Kirchkimmen bereits die örtliche Volksschule. Dort gehören unter anderem Johann Bleckwehl, Dietrich Osterloh, Diedrich Petershagen, Anna Sosath, Diedrich Timmermann und Gerhard Wieting zu ihren in etwa gleichaltrigen Mitschülern. Als Catharine 13 Jahre alt ist, stirbt im Mai 1882 Vater Gerd Hinrich. Sehr wahrscheinlich bewirtschaftet sie fortan zusammen mit Mutter Anna den an der Bremer Straße gelegenen Hof alleine weiter. Dort fehlt es aber spätestens ab dem 14. Mai 1891 an einem Nachfolger: An jenem Tag nämlich heiratet Catharine Bernhard Wiedau aus dem Nachbardorf Hurrel. Bernhard ist Erbe des mit rund 35 Hektar deutlich größeren Wiedau-Hofes (heute: Heinz und Alke Brinkmann) und zeigt vermutlich wenig Interesse am Besitz seiner Frau. Dass der 1893 an Friedrich Wilhelm Koopmann verkaufte Vosteen-Hof keinen großen Wert darstellt und damals nur begrenzt lebensfähig ist, belegt die Tatsache, dass er bis 1906 noch vier weitere Male den Besitzer wechselt.

 Zwischen März 1892 und September 1905 bringt Catharine mit Adele, Georg Hinrich (Dezember 1893), Johanne (Mai 1895), Martha (Oktober 1897), Clara (April 1900) einem totgeborenen Jungen (Februar 1903) und Bertha insgesamt sieben Kinder zur Welt. Am Ende überleben lediglich vier: Sowohl Georg Hinrich als auch Bertha sterben noch vor ihrem ersten Geburtstag.

Die Frage, welche der vier Töchter am Ende einmal den Hof fortführen soll, rückt für Catharine und Bernhard in den nächsten zwei, vom Ersten Weltkrieg und dessen unmittelbaren Folgen wie der Hyperinflation von 1923 überschatteten Jahrzehnten vermutlich ein ums andere Mal in den Hintergrund. Gleichwohl drängt sie wie kaum eine andere: Bernhard vollendet im März 1926 seinen 70. Geburtstag, Catharine wird im Oktober desselben Jahres 58 Jahre alt.

Sowohl Johanna als auch Martha haben zu diesem Zeitpunkt Hurrel bereits verlassen. Adele führt mit ihrem Ehemann Friedrich Brinkmann den in unmittelbarer Nähe liegenden Hof von Friedrichs Onkel Hinrich Brinkmann (heute: Uwe und Inge Ramke). Alles läuft deshalb auf Clara hinaus, doch möglicherweise stimmt die Chemie zwischen ihrem Ehemann Heinrich Neuhaus und Bernhard nicht. Letzterer überzeugt jedenfalls Adele und Friedrich, vom Brinkmann- auf den Wiedau-Hof überzusiedeln, woraufhin Clara und Heinrich im September 1927 in die USA auswandern und sich dort in Butler County im Bundesstaat Iowa niederlassen.

In den folgenden Jahren sieht Catharine Adeles Kinder Klara, Käte, Heinrich und Adolf in nächster Nähe aufwachsen – und macht im Herbst 1939 mit Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Erfahrung, die ihr 25 Jahre zuvor angesichts fehlender Söhne erspart geblieben ist: Je länger der Krieg dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihre 1924 und 1928 geborenen Enkelsöhne einen Stellungsbefehl erhalten. Wie nicht anders zu erwarten, trifft es Heinrich relativ zügig. Adolf – bei Kriegsende im Mai 1945 kurz vor seinem 17. Geburtstag stehend – bleibt die Einberufung erspart.

Heinrichs Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft im Frühjahr 1949 erlebt Catharine nicht mehr mit: Sie stirbt am 29. August 1945, auf den Tag genau 39 Jahre nach dem Tod ihrer Tochter Bertha. Beerdigt ist sie drei Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.