Anna Schweers – Biographie

Anna Catharine Gesine Schweers wird am 14. Dezember 1834 als erstes Kind von Claus Harfst und Metta Harfst auf dem elterlichen Hof in Maibusch (heute: Hein Dirk Auffarth) geboren. Sie ist die ältere Schwester von Gesine Margarete Harfst und Anna Margarete Harfst.

In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts besteht Deutschland aus einem Flickenteppich von zeitweise mehr als 40 Einzelstaaten, die sich 1815 nach dem Wiener Kongress zum Deutschen Bund zusammengeschlossen haben. Der zum 1. Januar 1834 auf Betreiben Preußens ins Leben gerufene Deutsche Zollverein erleichtert den Handel zwischen den einzelnen Fürstentümern, vorerst allerdings noch ohne Mitwirkung des Großherzogtums Oldenburg. Großherzog Nikolaus Friedrich Peter unterzeichnet erst 1854 eine entsprechende Beitrittserklärung.

In den Monaten vor Annas Geburt schrecken erste Vorboten der März-Revolution von 1848 die herrschende Obrigkeit auf. Eine ursprünglich von Georg Büchner verfasste Streitschrift (Friede den Hütten! Krieg den Palästen!) zieht im August 1834 im Großherzogtum Hessen eine Verhaftungswelle nach sich, die aber die immer lauter werdenden Rufe nach Liberalismus und sozialen Reformen nicht unterdrücken können. Drei Jahre später protestieren sieben Göttinger Professoren gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover, ihre anschließende Entlassung führt in ganz Deutschland zu Solidaritätsbekundungen.

Als schließlich am 10. März 1848 auch in Oldenburg eine Abordnung des Stadtrats vor den Großherzog tritt und mehr Mitsprache verlangt, ist Anna 13 Jahre alt. Ob sie nach dem Abschluss der Volksschule weiter zu Hause wohnt oder ob sie – wie damals üblich – auf einem anderen Hof in der näheren Umgebung in Stellung geht, ist in der Familie nicht mehr bekannt. Als älteste Tochter hat sie keinerlei Erbansprüche auf den elterlichen Hof, diesen wird später ihre neun Jahre jüngere Schwester Anna Margarete erben.

Gut möglich, dass es Anna in den folgenden Jahren eher in den südlichen Teil der Gemeinde Hude verschlägt – vielleicht sogar nach Hurrel, wo ihr künftiger Mann Gerhard Schweers lebt. Anna und Gerhard heiraten am 11. November 1856. Danach übernehmen beide den zuvor von Gerhards Stiefmutter Anna Meyer und ihrem Mann Hermann Meyer geführten, bereits 1501 begründeten Schweers-Hof (heute: Gerold und Annegret Sparke), der zu den ältesten und größten des Dorfes gehört.

Woran es liegt, dass Anna und Gerhard ohne leibliche Nachkommen bleiben, ist nicht überliefert. Da das Kirchenbuch der Gemeinde Hude für ihre Ehe weder Totgeburten noch als Säugling verstorbene Kinder verzeichnet, dürfte eine organische Ursache der Grund sein. Beiden bleibt nichts weiter übrig, als sich damit abzufinden – die Möglichkeiten moderner Reproduktionsmedizin sind anno 1860 oder 1870 weit entfernte Zukunftsmusik.

In der Frage, wer den Schweers-Hof später einmal weiterführen soll, fällt die Wahl auf Heinrich Sparke, den ältesten Sohn von Annas Schwester Anna Margarete. Dieser siedelt irgendwann zwischen 1880 und 1890 von Maibusch nach Hurrel über und übernimmt den Betrieb zunächst als Pächter. Nach Heinrichs Hochzeit mit Magdalene Heinemann im Oktober 1893 und der Geburt von Sohn Georg im Jahr darauf ist die Zeit reif für den Generationswechsel – Gerhard ist mittlerweile 65 Jahre alt, Anna steht kurz vor ihrem 60. Geburtstag.

In den folgenden 20 Jahren erlebt Anna alle wesentlichen Veränderungen im Leben ihres Neffen hautnah mit. So nimmt Heinrich im Sommer 1901 ihren verwaisten Großneffen Heinrich Wefer auf dem Hof auf, im April 1910 trägt er seine an Tuberkulose verstorbene Frau Magdalene zu Grabe, im Oktober 1913 heiratet er Mathilde Albers und freut sich unmittelbar darauf über die Geburt seines zweiten Sohnes Adolf. Der nächste Einschnitt trifft Anna dann ganz persönlich: Am 15. April 1916 – mitten in den Wirren des Ersten Weltkriegs und ein halbes Jahr vor dem 60. Hochzeitstag – stirbt ihr Mann Gerhard.

Die folgenden, von unmittelbaren Konsequenzen des verlorenen Krieges wie der Hyperinflation gekennzeichneten Jahre sind für Anna gewiss nicht einfach. Dennoch feiert sie im Kreise ihrer Familie bei zufriedenstellender Gesundheit sowohl ihren 85. als auch ihren 90. Geburtstag. Danach lassen ihre Kräfte allerdings Stück für Stück nach: Sie stirbt am 13. Oktober 1928, wenige Wochen vor ihrem 94. Geburtstag. Beerdigt ist sie vier Tage später auf dem Friedhof der St.-Elisabeth-Kirche in Hude.